Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel hat seine Entscheidung verteidigt, Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund als Titelbild der neuesten Ausgabe zu zeigen. Chefredakteur Dirk Kurbjuweit begründete dies in einer am Sonntag veröffentlichten Stellungnahme damit, dass Relevanz das oberste Kriterium der Redaktion sei – nicht die Frage, wem eine Titelgeschichte nutze oder schade.
„Ohnehin leiden wir nicht an der Hybris, zu glauben, dass wir mit unserem Journalismus Wahlergebnisse beeinflussen können“, schrieb Kurbjuweit. Die AfD sei da, stark und damit relevant. „Deshalb ist sie Gegenstand unserer aufklärenden Berichterstattung, in jeder Form.“ Siegmund sei im Moment eine hochrelevante Figur, weil ein Ministerpräsident der AfD in Sachsen-Anhalt nicht nur das Bundesland, sondern die gesamte Bundesrepublik verändern würde.
Grundsätzlich behandele der Spiegel in seinen Titelgeschichten ausführlich die relevanten Themen und Figuren der jeweiligen Zeit. Diese seien oft „Verderber“, weshalb man auch Donald Trump und Wladimir Putin häufig auf dem Titel habe – ohne die beiden gleichzusetzen, so der Chefredakteur.
Auf dem aktuellen Cover ist Siegmund mit der Zeile „Der gefährlichste Mann Deutschlands“ zu sehen. Kurbjuweit erklärte dazu: Der AfD-Politiker wirke freundlich und gewinnend, auch auf Bürger, die nicht rechtsextrem sind, sich aber große politische Veränderungen wünschen. Im Hintergrund werde er aber von einem Netzwerk rechter Extremisten unterstützt. Seine Pläne für Sachsen-Anhalt seien „ein Anschlag auf die liberale Demokratie“. „Das zusammen, das Umgängliche und das Extreme, machen Siegmund zu einem gefährlichen Mann“, fasste Kurbjuweit zusammen.
Das Cover hatte breite Kritik von AfD-Gegnern ausgelöst. Siegmund selbst reagierte humorvoll darauf und veröffentlichte ein Foto von sich, wie er das Titelbild einer Spiegel-Ausgabe signiert.
Autor: dts Nachrichtenagentur