Studie: Förderung junger Erwachsener bringt dreimal höheren Nutzen

via dts Nachrichtenagentur

Junge Erwachsene sollten deutlich stärker staatliche Unterstützung erhalten als bislang üblich. Das zeigt eine neue Studie des Forschungsinstituts Econpol, die auf Daten aus Frankreich basiert. Das zentrale Ergebnis: Ein Euro öffentlicher Förderung für junge Erwachsene erzielt einen rund dreimal so hohen sozialen Nutzen wie ein Euro für ältere Personen im erwerbsfähigen Alter.

„Leistungen, die jungen Erwachsenen ermöglichen, in Ausbildung zu bleiben, sind besonders wertvoll, weil sie sich teilweise über höhere spätere Einkommen und Steuerzahlungen selbst finanzieren“, erklärt Marion Brouard, Wissenschaftlerin am Ifo-Institut. „Junge Erwachsene sind heute die Altersgruppe mit dem größten Bedarf an zusätzlicher sozialer Unterstützung. Die Politik trägt diesem Wandel bislang nicht ausreichend Rechnung.“

Die Zahlen sind beeindruckend: In der Europäischen Union sind etwa 24 Prozent der jungen Erwachsenen von Armut bedroht, gegenüber etwa 19 Prozent der älteren Personen im erwerbsfähigen Alter. Diese Lücke hat sich in den vergangenen Jahren vergrößert. In Deutschland stieg die Armutsgefährdung junger Erwachsener von 24 Prozent im Jahr 2015 auf 27 Prozent im Jahr 2025. In Frankreich verschärfte sich die Situation von 22 Prozent auf 25 Prozent. „Armut hat sich in den vergangenen Jahrzehnten von den Älteren zu den Jüngeren verlagert“, sagt Brouard. Die europäischen Sozialstaaten reagierten darauf jedoch nur langsam.

Ein besonders krasses Beispiel ist Frankreich: Das zentrale Sicherungssystem, die französische Mindestsicherungsleistung Revenu de solidarité active, bleibt Menschen unter 25 Jahren komplett verschlossen. Eine solche Altersgrenze findet sich auch in anderen europäischen Ländern.

Die Studie zeigt auch, wie angespannt die finanzielle Situation junger Menschen ist. Wenn sie zusätzliches Einkommen erhalten, geben sie durchschnittlich 45 Cent von jedem zusätzlichen Euro aus – verglichen mit nur 24 Cent bei älteren Menschen. „Dass junge Erwachsene fast doppelt so viel von jedem zusätzlichen Euro ausgeben, weist auf stärkere finanzielle Einschränkungen hin“, erklärt Brouard. „Sie müssen fast jeden zusätzlichen Euro für alltägliche Ausgaben verwenden. Das zeigt, dass sie kaum ein finanzielles Polster haben.“

Ein lange vorgebrachter Einwand gegen stärkere Förderung lautet: Der Staat ersetzt nur die private Unterstützung durch die Eltern. Wenn der Staat einer jungen erwachsenen Person 100 Euro gibt und die Eltern ihre Hilfe im gleichen Umfang reduzieren, verbessert sich deren Lage nicht. Diese sogenannte Verdrängungsproblematik bremste lange Zeit Forderungen nach ausreichender Unterstützung junger Erwachsener.

Die empirischen Befunde widersprechen diesem Argument jedoch. Zwar schmälert dieser Effekt die Gewinne einer gezielten Unterstützung, doch letztlich kommen rund 88 Prozent einer staatlichen Transferleistung tatsächlich bei den jungen Erwachsenen an.

Bemerkenswert ist auch: In der Bevölkerung findet eine stärkere Unterstützung junger Erwachsener Rückhalt. Eine Umfrage in Frankreich zeigte, dass die Befragten eine stärkere Umverteilung zugunsten junger Erwachsener im Vergleich zu älteren Personen befürworten. „Wenn Regierungen öffentliche Mittel dort einsetzen wollen, wo sie den höchsten sozialen Ertrag erzielen, sollten sie junge Erwachsene stärker finanziell unterstützen“, lautet das klare Fazit von Brouard.

Autor: dts Nachrichtenagentur

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