Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat eingeräumt, dass beim jüngsten Hackerangriff auf die Berliner Verwaltung offenbar auch sensible Daten abgeflossen sind. Dies ist ein Kurswechsel zur bisherigen Darstellung: Der Senat hatte zunächst erklärt, dass keine Hinweise auf den Abfluss sensibler Informationen vorliegen würden. „Der Erkenntnisstand heute ist ein anderer“, sagte Wegner der „Bild“.
Die Hackergruppe „Rhysida“ hatte nach Wegners Angaben rund 1,4 Millionen Dateien unverschlüsselt ins Darknet veröffentlicht, nachdem Berlin Lösegeldzahlungen verweigert hatte. Die geforderte Summe betrug 2 Millionen Euro. „Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass ich einen Staat nicht erpressen lassen darf“, erklärte Wegner seine Ablehnung. Zudem könne niemand garantieren, dass die Daten nach einer Zahlung tatsächlich gelöscht worden wären.
Berlin sei „Opfer einer schweren Straftat geworden“, sagte der CDU-Politiker. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Angriffs schaltete die Stadt Bundesbehörden ein: „Wir haben unmittelbar die Sicherheitsorgane des Bundes mit eingeschaltet, BKA, BSI und viele mehr.“ Derzeit werten das Landeskriminalamt und Sicherheitsbehörden des Bundes die veröffentlichten und entwendeten Daten aus.
Welche Informationen genau abgeflossen sind, konnte Wegner noch nicht präzisieren: „Da sind wir in der Prüfung, gemeinsam mit dem LKA und mit den Sicherheitsorganen des Bundes.“ Als vordringliches Ziel nannte er, mögliche Betroffene schnell zu identifizieren und zu informieren. „Wir versuchen, die Betroffenen schnellstmöglich zu erreichen.“
Nach Angaben Wegners wurden die betroffenen Senatsverwaltungen unmittelbar nach Entdeckung des Angriffs vom Netz getrennt. „In dem Moment, als wir festgestellt haben, dass es um einen Hackerangriff geht, haben wir die zwei Senatsverwaltungen, die betroffen waren, isoliert“, erklärte er. Nach aktuellem Kenntnisstand konnten die Täter anschließend keine weiteren Daten herunterladen.
Wegner verwies darauf, dass staatliche Netzwerke täglich Ziel von Cyberangriffen sind: „Wir haben tagtäglich Hackerangriffe auf unser Netz, nicht nur in Berlin, in ganz Deutschland.“ Die meisten Attacken würden abgewehrt. „Dieser ist leider durch“, räumte der Bürgermeister ein. Wie hoch der entstandene Schaden ist und ob der Vorfall schwerwiegender als der Berliner Stromausfall vom Januar 2026 ist, wollte Wegner noch nicht beurteilen: „Kann ich Ihnen heute noch nicht sagen. Zunächst müsse geklärt werden, welche Daten konkret abgeflossen sind, wer betroffen ist und welche Daten es sind.“
Unter den veröffentlichten Daten befinden sich auch sensible Infrastrukturpläne. Dies veranlasste die Behörden, ihre Abwehrmaßnahmen zu koordinieren. Nach der Veröffentlichung der Verwaltungsdaten hat die Bundesregierung eine intensive Prüfung ihrer eigenen Datensysteme durchgeführt. Ein Regierungssprecher teilte mit: „Die Bundesregierung verfolgt die Informationen und Ermittlungen zum Datenabfluss genau. Momentan werten die zuständigen Sicherheitsbehörden von Bund und Land die Informationen aus.“ Zwischen den beteiligten Behörden würden die Informationen kontinuierlich abgeglichen, auch über das Nationale Cyberabwehrzentrum. Nach der Analyse potentieller Sicherheitsrisiken würden entsprechende Maßnahmen zur Wahrung der militärischen Sicherheit eingeleitet. Datensysteme des Bundes seien nach derzeitigem Kenntnisstand nicht betroffen.
Autor: dts Nachrichtenagentur