Top-Story der Woche
Friedensmissionen weltweit auf Tiefstand
Die Zahl der internationalen Einsatzkräfte in Friedensmissionen hat Ende 2025 ihren niedrigsten Stand seit mindestens 25 Jahren erreicht. Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri meldete 78.633 Einsatzkräfte weltweit. Das Institut warnt vor einer Schwächung des multilateralen Konfliktmanagements durch geopolitische Spannungen, politischen Druck und Finanzierungskrisen.
Bundespolitik
Mehrere Ministerpräsidenten warnten die Bundesregierung vor einer geplanten Einkommensteuerreform zu Lasten der Länderfinanzen. Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte (SPD) erklärte, er werde keiner Steuerreform zustimmen können, die dem Land Bremen und seinen beiden Städten schade. Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) startete zusammen mit Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) eine länderübergreifende Initiative zum Bürokratieabbau und kündigte an, die Bundesregierung zum Handeln zu bewegen. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant angesichts eines erwarteten Defizits von über 22 Milliarden Euro, den Beitragszuschlag für Kinderlose in der Pflegeversicherung um 0,1 Prozentpunkte auf 0,7 Prozent anzuheben.
Das Landgericht Verden verurteilte das frühere RAF-Mitglied Daniela Klette zu 13 Jahren Haft wegen besonders schweren Raubs in mehreren Fällen. Klette gehörte zu den letzten drei noch flüchtigen RAF-Mitgliedern und wurde erst 2024 festgenommen. Der Bundesgerichtshof wies eine Beschwerde des Generalbundesanwalts zurück und bestätigte die Aussetzung des Strafrestes zur Bewährung für die verurteilte Linksextremistin Lina E. Das Landgericht Berlin ließ eine Anklage gegen den ehemaligen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) wegen des Vorwurfs der Falschaussage im Zusammenhang mit der gescheiterten Pkw-Maut zu. Spekulationen über einen vorzeitigen Kanzlerwechsel in der laufenden Legislaturperiode wiesen Quellen aus dem Merz-Umfeld als naive Idee zurück. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst stärkte Bundeskanzler Friedrich Merz den Rücken und bezeichnete die Spekulationen als Quatsch.
Wirtschaft
Die Wirtschaftsweisen korrigierten ihre Konjunkturprognose für das laufende Jahr nach unten. Der Sachverständigenrat erwartet nun ein preisbereinigtes Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 0,5 Prozent statt zuvor 0,9 Prozent. Die Inflation sank im Mai auf 2,6 Prozent nach 2,9 Prozent im Vormonat. Die deutschen Importpreise stiegen im April um 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat – der stärkste Anstieg seit Januar 2023. Das Ifo-Institut meldete für Mai einen Rückgang der Preiserwartungen auf 30,3 Punkte nach 31,3 Punkten im April.
Die Stimmung in der deutschen Exportwirtschaft verschlechterte sich im Mai. Die Ifo-Exporterwartungen sanken auf minus 5,5 Punkte nach minus 1,2 Punkten im April. Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser erklärte, die geopolitische Unsicherheit und hohe Energiepreise belasteten die Aussichten. Der Stellenabbau in Deutschland verlangsamte sich im Mai etwas. Das Beschäftigungsbarometer des Ifo-Instituts stieg auf 93,9 Punkte nach 91,4 Punkten im April. Dennoch wollen mehr Unternehmen weiterhin Arbeitsplätze abbauen als neue schaffen. Die deutschen Pfandbriefbanken vergaben im ersten Quartal 2026 Immobiliendarlehen in Höhe von 39,8 Milliarden Euro – 5,9 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi weitete den Arbeitskampf bei der Postbank aus und kündigte weitere Warnstreiks für die rund 9.000 Mitarbeiter im Deutsche-Bank-Konzern an. Klinikbeschäftigte in ganz Deutschland protestierten an über 50 Krankenhäusern gegen die Kürzungspläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU). Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) erhöhte den Druck auf Bahn-Chefin Evelyn Palla. Die Pünktlichkeit im Fernverkehr lag im April bei nur 64 Prozent. Die Bundesregierung will sich in den Streit zwischen der italienischen Bahngesellschaft Italo und der Deutschen Bahn nicht einmischen. Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller kündigte an, das Bandlastprivileg für große Stromverbraucher in der Industrie bis Ende 2031 zu verlängern. Deutschland und Kanada vereinbarten eine strategische Gaspartnerschaft. Die bundeseigene Sefe unterzeichnete mit dem kanadischen Unternehmen Ksi Lisims LNG eine Absichtserklärung über die jährliche Lieferung von einer Million Tonnen Flüssigerdgas ab Anfang der 2030er Jahre.
Sicherheit und Bundeswehr
Politiker von Union, SPD und Grünen warnten vor Sicherheitsrisiken durch chinesische Technik bei einer möglichen deutschen Drohnenabwehr über Mobilfunknetze. Marc Henrichmann (CDU), Vorsitzender des Geheimdienstkontrollgremiums, forderte, dass bei der Nutzung bestehender Infrastruktur genau darauf geachtet werden müsse, dass nicht chinesische Komponenten im Spiel seien. Verfassungsschutz-Präsident Selen forderte von der Politik neue Befugnisse für den Inlands-Nachrichtendienst. Das I. Deutsch-Niederländische Korps (1GNC) wird Mitte des Jahres die Rolle eines taktischen Hauptquartiers innerhalb der Nato-Planung übernehmen und an der Ostflanke der Nato eine Führungsrolle in der Region Estland und Lettland übernehmen.
Die USA wollen ihre militärischen Beiträge für die Nato reduzieren. Ein Gesandter von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth unterrichtete Ende vergangener Woche im Nato-Hauptquartier über geplante Änderungen. Washington will der Nato im Rahmen der Streitkräfteplanung künftig ein Drittel weniger Kampfjets zur Verfügung stellen. Deutschland und Frankreich nahmen die geplanten Gespräche über eine engere Kooperation bei der nuklearen Abschreckung auf. Der Sicherheitsberater von Bundeskanzler Friedrich Merz, Günter Sautter, reiste für eine erste Gesprächsrunde nach Paris. Am Flughafen München stoppten die Sicherheitsbehörden am Samstagvormittag wegen einer mutmaßlichen Drohnensichtung vorübergehend den Betrieb. Ein Wiener Geschworenengericht verurteilte einen der Hauptverdächtigen im Fall des geplanten Terroranschlags auf Taylor-Swift-Konzerte zu 15 Jahren Haft.
USA und Trump-Administration
US-Streitkräfte griffen am Montag Raketenstellungen im Süden des Iran an. Das US-Zentralkommando bezeichnete die Luftschläge als Selbstverteidigungsschläge zum Schutz eigener Truppen. Zu den angegriffenen Zielen gehörten Raketenabschussrampen und iranische Boote. Am Donnerstag griffen die USA zum wiederholten Mal Ziele im Iran an. Nach Berichten des Senders CBS News wurden dabei vier iranische Drohnen abgeschossen und eine Kontrollstation in der Hafenstadt Bandar Abbas getroffen.
Die USA und der Iran stehen vor einer möglichen Verlängerung ihrer vereinbarten Waffenruhe um rund zwei Monate. US-Vizepräsident JD Vance erklärte, dass die Verhandlungen Fortschritte erzielt hätten. Der neue Deal soll die Öffnung der Straße von Hormus und den Beginn von Gesprächen über das iranische Atomprogramm beinhalten. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) telefonierte am Freitag mit Argentiniens Präsident Javier Milei. Beide unterstrichen die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Argentinien und waren sich einig, künftig insbesondere in den Bereichen Wirtschaft, Energie und Sicherheit enger zusammenzuarbeiten.
Ukraine und Russland
Die Bundesregierung bestellte den russischen Botschafter ein. Das Auswärtige Amt begründete das diplomatische Protestsignal mit den Aufforderungen Russlands an die deutsche Botschaft, Kiew zu verlassen, und mit der Angriffswelle der vergangenen Tage. Bei diesen Angriffen wurden auch Krankenhäuser, Schulen und TV-Studios der ARD getroffen.
In der rumänischen Stadt Galati schlug am frühen Freitagmorgen eine russische Drohne in ein Wohnhaus ein und verletzte zwei Menschen leicht. Die Drohne traf ein Apartment im zehnten Stock des Hochhauses und löste ein Feuer aus. Knapp 70 Menschen wurden aus dem betroffenen Gebäude evakuiert. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg entschied, dass russische Wehrpflichtige nicht allein aufgrund des zu erwartenden Wehrdienstes subsidiären Schutz in Deutschland erhalten können.
Weitere internationale Ereignisse
In der Demokratischen Republik Kongo sind nach dem jüngsten Ebola-Ausbruch mittlerweile über 900 Verdachtsfälle identifiziert worden. Darunter befinden sich 101 bestätigte Fälle, wie der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, mitteilte. Das Epizentrum des Ausbruchs liegt in der Provinz Ituri, wo fast fünf Millionen Menschen inmitten anhaltender bewaffneter Konflikte leben. Der in der Berliner Charité behandelte Ebola-Patient befindet sich auf dem Weg der Besserung und zeigt einen positiven Krankheitsverlauf. Der Patient erhält eine kombinierte antivirale Therapie.
Die EU-Kommission genehmigte den Einstieg des Bundes beim niederländischen Übertragungsnetzbetreiber Tennet Deutschland. Der Bund übernimmt über die Kreditanstalt für Wiederaufbau gemeinsam mit dem niederländischen Unternehmen Transtennet die Kontrolle über Tennet Deutschland. Bei der Transaktion geht es um die Übernahme von etwas mehr als 60 Prozent der Anteile für 3,3 Milliarden Euro. Die EU-Kommission leitete eine Untersuchung der geplanten Übernahme der Media-Markt-Saturn-Mutter Ceconomy durch den chinesischen E-Commerce-Riesen JD ein. Die Brüsseler Behörde teilte mit, dass sie Bedenken zu dem Deal angemeldet habe. Die EU-Kommission verhängte eine Geldbuße in Höhe von 200 Millionen Euro gegen den chinesischen Onlinehändler Temu wegen Verstößen gegen das Gesetz über digitale Dienste. Die EU-Kommission will Unternehmen künftig dazu verpflichten, in die Dekarbonisierung in Europa zu investieren. Diese Bedingung soll an die geplante Abschwächung des Emissionshandels geknüpft werden.
Polizeimeldungen der Woche
In Berlin setzte die Polizei ein Elektroschockgerät gegen einen Messer-Angreifer in Spandau ein. In Düsseldorf-Friedrichstadt starb ein 38-Jähriger nach Messerstichen, zwei Tatverdächtige wurden festgenommen. In Euskirchen verletzte ein 36-Jähriger einen Mann mit einem Messer und demolierte Geschäfte. In Pemfling stach ein 52-Jähriger auf seine Lebensgefährtin ein und flüchtete. In Rauenberg schwebte ein Mann nach einem Messerangriff auf einem Tankstellengelände in Lebensgefahr. In Arnsberg bedrohte ein Zwölfjähriger Mitschüler, ein Unbekannter führte ein Messer und einen pistolenähnlichen Gegenstand mit. In Hanau wurde ein 40-Jähriger nach einer Zigaretten-Verweigerung mit einem Messer attackiert, der Täter flüchtete. In Philippsburg griff ein 35-Jähriger seine Partnerin mit einem Messer an und kam in Haft.
In Lichtenrade wurde eine 69-jährige Frau tot aufgefunden, ihr Ehemann wurde festgenommen. In Baden-Baden belästigte ein 30-Jähriger eine Frau in einer Therme und beschimpfte Polizisten. In Oldenburg wurde eine Obduktion nach dem Leichenfund einer 70-jährigen Frau in einem Nebenfluss angeordnet. Am Kasseler Platz der 11 Frauen ereignete sich eine rassistische Attacke, die Polizei sucht Zeugen und einen mutigen Helfer. Ein Exhibitionist belästigte zwei Frauen in der Nürnberger Altstadt. Ein Mann belästigte eine Frau sexuell in einem Zug, die Bundespolizei ermittelt.
Der SC Paderborn kehrte in die Fußball-Bundesliga zurück. Die Ostwestfalen besiegten im entscheidenden Relegationsrückspiel den VfL Wolfsburg mit 2:1. Für Wolfsburg bedeutet das Ausscheiden den ersten Abstieg aus der Bundesliga in der Vereinsgeschichte.
Timmy der Wal
Timmy der Wal ist seit Mitte April 2026 vor der niedersächsischen Nordseeküste gestrandet. Die Rettungsversuche laufen, der Wal ist weiterhin am gleichen Ort, sein Zustand wird täglich beobachtet.
Kultur und Sport
Crystal Palace gewann das Finale der Uefa Conference League. Der Londoner Premier-League-Verein besiegte den spanischen Club Rayo Vallecano mit 1:0. Jean-Philippe Mateta erzielte in der 51. Minute das entscheidende Tor. Paris Saint-Germain gewann das Finale der Champions-League-Saison 2025/2026 gegen den FC Arsenal mit 4:3 im Elfmeterschießen und verteidigte den Titel. Nach 90 Minuten stand es 1:1, auch die Verlängerung blieb torlos.
Die Zahl der stationären Krankenhausbehandlungen wegen Hautkrebs ist in Deutschland binnen 20 Jahren um 94,5 Prozent gestiegen. 120.100 Menschen wurden 2024 mit der Diagnose Hautkrebs im Krankenhaus stationär behandelt. Die Techniker Krankenkasse (TK) registrierte 2025 einen Rekordwert bei Verdachtsfällen auf Behandlungsfehler. 7.540 Versicherte meldeten sich bei der Kasse mit entsprechenden Verdachtsmomenten – 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Anteil rauchender und vapender Jugendlicher ist in Deutschland in den vergangenen Jahren wieder gestiegen. Fast jeder zehnte Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren rauchte 2025 (9,6 Prozent), 2021 waren es noch 6,1 Prozent.
Weitere Stories der Woche
Die FDP wählte Wolfgang Kubicki zum neuen Bundesvorsitzenden. Der bisherige Vizeparteichef erhielt 59,3 Prozent der Delegiertenstimmen und setzte sich gegen Marie-Agnes Strack-Zimmermann durch, die 39,4 Prozent erreichte. Martin Hagen wurde neuer Generalsekretär der FDP, erhielt allerdings nur 58,8 Prozent der Stimmen. In Deutschland verfügen 4.548 Gemeinden und damit 42 Prozent aller 10.775 Gemeinden über keine öffentlich zugänglichen Ladesäulen für Elektroautos. Der Deutsche Richterbund teilte mit, dass in Deutschland derzeit 2.000 Strafverfolger fehlen. Das Deutsche Kinderhilfswerk stellte den Kinderreport 2026 vor und forderte 400.000 neue Kita-Plätze für mehr Bildungsgerechtigkeit. Der Deutsche Wetterdienst gab am Sonntag Warnungen vor schweren Gewittern für Teile von Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Thüringen und Niedersachsen aus. Die deutschen Brauereien blicken vorsichtig optimistisch auf die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft, rechnen aber nicht mit einem automatischen Absatzschub beim Bierverkauf.