Top-Story der Woche
Kindeswohlgefährdungen erreichen neuen Rekord
Zeit für eine erste Bilanz der Woche, die von einer beunruhigenden Entwicklung überschattet wird: Die Jugendämter in Deutschland haben im Jahr 2025 bei rund 79.800 Kindern und Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung festgestellt. Das teilt das Statistische Bundesamt mit. Die Zahl ist damit zum vierten Mal in Folge auf einen neuen Höchststand gestiegen – um zehn Prozent oder etwa 7.000 Fälle mehr als 2024. Seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 2012 hat sich die Zahl der Kindeswohlgefährdungen mehr als verdoppelt.
Parallel dazu zeigt eine weitere Statistik des Bundesamts, dass sich die Zahl der Mädchen im Alter von 10 bis 17 Jahren, die wegen Essstörungen im Krankenhaus behandelt werden, in den vergangenen zwei Jahrzehnten verdoppelt hat. Die Fallzahl stieg von knapp 2.800 im Jahr 2004 auf fast 6.000 im Jahr 2024.
Bundespolitik
Bundeskanzler Friedrich Merz setzt seinen Urlaub fort. Wie der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille am Mittwoch mitteilte, wird es in der kommenden Woche keine Kabinettssitzung geben. Erst am 26. August soll das Kabinett wieder regulär zusammentreten. Merz macht die Zukunft der deutschen Wirtschaft zum Schwerpunkt einer Kabinettsklausur in der übernächsten Woche. Die Regierung wird sich dabei intensiv mit Rahmenbedingungen für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit, wirtschaftliche Souveränität und Schlüsseltechnologien befassen. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins Politico werden dazu auch Top-Manager eingeladen.
SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf hat der Parteibasis eine klarere Positionierung in zentralen politischen Fragen zugesagt. Gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland betonte Klüssendorf, dass die SPD erkennbare Positionen zu Kernthemen wie bezahlbarem Leben, sicherer Rente und echter Steuergerechtigkeit haben müsse. In der Unionsfraktion gab es personelle Veränderungen: Die CDU-Politikerin Catarina dos Santos-Wintz übernimmt als neue Erste Parlamentarische Geschäftsführerin, Frederik Bouffier folgt ihr als Parlamentarischer Geschäftsführer nach.
Wirtschaft
Der Deutsche Aktienindex hat am Dienstag erneut ein Rekordniveau erreicht. Zum Ende des Xetra-Handels notierte der Dax bei 26.391 Punkten und legte damit um 0,3 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss zu. Im Verlauf des Handelstages erklomm der Index sogar einen Höchststand von 26.504 Punkten. Am Donnerstag rutschte der Dax in den letzten Handelsminuten ins Minus ab und notierte bei 26.300 Punkten. Die 40 Dax-Konzerne stehen 2026 vor einem beispiellosen Rekordgewinn. Im ersten Halbjahr steigerten sie ihre Nettogewinne um 13,5 Prozent auf 68,3 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr werden 127,7 Milliarden Euro erwartet.
Die Großhandelspreise in Deutschland sind im Juli 2026 kräftig angewachsen. Gegenüber dem Vorjahresmonat verteuerten sich die Verkaufspreise um 5,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Hauptverantwortlich für den Anstieg sind gestiegene Energiepreise infolge des Nahost-Konflikts. Die Immobilienpreise in Deutschland sind im zweiten Quartal 2026 insgesamt gestiegen, entwickeln sich aber je nach Immobilientyp völlig unterschiedlich. Der Immobilienpreisindex des Verbands deutscher Pfandbriefbanken kletterte um 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal nach oben.
Viele deutsche Unternehmen rechnen damit, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in den nächsten fünf Jahren zu niedrigeren Löhnen führt. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Ifo-Instituts. Etwa jedes zweite Unternehmen, das KI bereits nutzt, erwartet bei Beschäftigten mit weniger als fünf Jahren Berufserfahrung Lohnkürzungen. Die Arbeitszeit pro Kopf in Deutschland ist erstmals nach jahrzehntelangem Anstieg gesunken. Während 2023 noch ein Rekordwert von 28,8 Wochenstunden erreicht wurde, lag dieser 2025 um 0,4 Stunden darunter.
Die Automobilindustrie in Deutschland durchlebt eine beispiellose Krise: Zum Ende des ersten Halbjahres 2026 beschäftigte die Branche nur noch 691.500 Menschen – das ist der niedrigste Wert seit 2005. Innerhalb eines Jahres verschwanden 42.300 Arbeitsplätze, ein Rückgang von 5,8 Prozent. Die extreme Hitze der vergangenen Monate hat der deutschen Landwirtschaft massive Schäden zugefügt. Seit Mitte Juni sind dem Deutschen Raiffeisenverband zufolge rund drei Millionen Tonnen Getreide und Raps verloren gegangen. Die Einnahmeverluste belaufen sich auf mehr als 600 Millionen Euro. Die Getreideernte 2026 fällt mit 40,6 Millionen Tonnen deutlich geringer aus als im Vorjahr.
Sicherheit und Bundeswehr
Die Bundesregierung hat sich auf eine grundlegende Reform der Nachrichtendienste geeinigt. Wie Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Kanzleramtschefin Nina Warken am Mittwoch nach der Kabinettssitzung mitteilten, erhalten der Bundesnachrichtendienst und das Bundesamt für Verfassungsschutz künftig deutlich erweiterte Möglichkeiten zur Sammlung und Speicherung von Daten. Dobrindt spricht von einem „grundlegenden Kurswechsel“ für Deutschlands Nachrichtendienste. Der Dienst soll künftig nicht mehr nur passiv Informationen sammeln und auswerten, sondern erstmals auch aktiv operativ eingreifen dürfen.
Das Verteidigungsministerium rüstet massiv auf: Für das zweite Halbjahr 2026 sind rund 100 weitere große Rüstungsprojekte geplant. Jedes dieser Vorhaben hat ein Volumen von mehr als 25 Millionen Euro und bedarf der Zustimmung durch den Bundestag ab September. Der Flughafen Leipzig/Halle ist bei dem Drohnen-Vorfall der vergangenen Woche offenbar deutlich knapper einer Explosion entgangen als bislang bekannt. Überwachungsaufnahmen zeigen, dass eine mit Sprengstoff beladene Drohne direkt auf ein ukrainisches Frachtflugzeug zugeflogen war. Ermittler haben auf der Drohne eine DNA-Spur gesichert, die mit einer Spur vom Brandanschlag im DHL-Logistikzentrum Leipzig vom 20. Juli 2024 übereinstimmt.
USA und Trump-Administration
US-Präsident Donald Trump will vom Iran Kompensationen für Kriegsopfer fordern. Das kündigte Trump am Montag an, nachdem Teheran selbst Entschädigungen für Kriegsschäden gefordert hatte. Trump fordert den Iran zur Zahlung von Kompensationen auf „für jedes Leben, das durch die vom Iran unterstützten Terroristen verloren wurde“.
Trump hat angekündigt, die Straße von Hormus zur Kontrolle der Vereinigten Staaten zu erklären. Die Drohung äußerte er in einer Rede vor Polizeischülern auf Long Island im Bundesstaat New York. Trump sagte wörtlich: „Nachdem wir mit der Niederlage des Iran fertig sind, der sehr schlimm besiegt wird, werde ich ziemlich bald die Straße von Hormus zu einem Territorium der Vereinigten Staaten erklären.“
Ukraine und Russland
Russland hat die ukrainische Stadt Saporischschja mit nordkoreanischen ballistischen Raketen, Zirkons und gelenkten Luftbomben angegriffen. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wurden dabei sechs Menschen getötet und neunzehn weitere verletzt. Am Morgen waren Rettungskräfte noch vor Ort, um einen Brand an einer der Einschlagstellen zu löschen.
Selenskyj fordert die USA zu deutlich umfangreicheren Lieferungen von Patriot-Abfangraketen auf. Bislang habe die Ukraine nur ein Zehntel der notwendigen Raketen erhalten, um die massiv gestiegenen russischen Raketenangriffe abzuwehren, erklärte Selenskyj dem US-Nachrichtensender CNN. Dabei würde ein Zehntel des aktuellen US-Bestands an Patriot-Raketen ausreichen, um die Ukraine ein Jahr lang zu schützen. Russlands Oberstes Gericht hat die liberale Oppositionspartei Jabloko von der Teilnahme an der Parlamentswahl im September ausgeschlossen.
Weitere internationale Ereignisse
Ein Erdbeben der Stärke 7,4 hat am Montag den Westen Kolumbiens erschüttert und eine Katastrophe angerichtet. Mindestens 132 Menschen sind ums Leben gekommen, über 480 weitere wurden verletzt. Das Beben ereignete sich am Montagmorgen um 7:34 Uhr Ortszeit im Westen des Landes. 1.575 Wohnhäuser wurden beschädigt, 61 Gebäude kollabierten vollständig. Deutschland unterstützt die betroffene Bevölkerung mit Hilfsmaßnahmen. Das Auswärtige Amt kündigte am Mittwoch an, Hilfsgüter zur Versorgung der Menschen bereitzustellen.
Ein verheerendes Erdbeben der Stärke 7,7 hat am Samstagmorgen die indonesische Insel Flores und ihre Küstenregion erschüttert. Nach Angaben der nationalen Katastrophenschutzbehörde sind mindestens 14 Menschen ums Leben gekommen. Ein lokaler Helfer berichtet sogar von mindestens 20 Todesopfern. Die Bilanz humanitärer Helfer ist verheerend: Im Jahr 2025 sind weltweit 350 Mitarbeiter von Hilfsorganisationen bei ihrer Arbeit ums Leben gekommen. Das zeigen aktuelle Daten der Aid Worker Security Database. Es ist die zweithöchste Zahl seit Beginn der systematischen Erfassung 1997. Das Strafgericht in Damaskus hat den früheren syrischen Diktator Baschar al-Assad in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Das Gericht befand ihn wegen Verbrechen während des Bürgerkriegs für schuldig.
Polizeimeldungen der Woche
In dieser Woche wurden mehrere Messerangriffe registriert: In Bühl wurde ein 32-Jähriger schwer verletzt, in Rudow ein Mann verletzt und ein 52-Jähriger festgenommen, in Weißensee wurde ein Mann durch einen Messerangriff schwer verletzt, in Erfurt eskalierte ein Streit zu einer Körperverletzung mit Messer, und in Himmelpforten wurde ein 29-Jähriger nach einem Messerangriff in Untersuchungshaft genommen. Bei einem Polizeieinsatz in Bielefeld wurde am Dienstag ein bewaffneter Mann tödlich verletzt. Ein Anrufer hatte die Polizei gegen 13 Uhr alarmiert, weil eine Frau von ihrem Freund mit einer Waffe in einer Wohnung eingesperrt worden war.
Gewalt gegen Frauen wurde in mehreren Fällen bekannt: In Winterberg wurde eine Frau nach einem fragwürdigen Getränk mit Verdacht auf K.O.-Tropfen ins Krankenhaus eingeliefert, in Gelsenkirchen wurden eine Frau und ihr Hund mit einem Teleskopschlagstock angegriffen, in Frankfurt-Berkersheim bedrohte ein Mann eine Frau mit einer Softair-Pistole, und am Bahnhof Berlin-Südkreuz attackierte eine Frau einen Reisenden und Polizisten, woraufhin Untersuchungshaft angeordnet wurde. Nach dem Ertrinkungstod einer dreijährigen Tochter in Preetz haben Staatsanwaltschaft und Polizei in Kiel Ermittlungen gegen die Eltern wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen eingeleitet.
Timmy der Wal
Timmy der Wal ist seit Mitte April 2026 vor der niedersächsischen Nordseeküste gestrandet. Die Rettungsversuche laufen, der Wal ist weiterhin am gleichen Ort, sein Zustand wird täglich beobachtet.
Kultur und Sport
Owen Ansah hat die Leichtathletik-Europameisterschaft in Birmingham gewonnen. Der deutsche Sprinter triumphierte über 200 Meter mit einer Zeit von 19,95 Sekunden und distanzierte seine Konkurrenten deutlich. Einen neuen deutschen Rekord wird es wegen des starken Rückenwinds bei diesem Wettkampf nicht geben. Paris St. Germain hat den Uefa-Supercup in einem packenden Duell gegen Aston Villa mit 2:1 gewonnen und sich damit einen weiteren internationalen Titel gesichert. Khvicha Kvaratskhelia erzielte in der 20. Minute das 1:0 für PSG.
In der 2. Fußball-Bundesliga hat der 1. FC Nürnberg am 2. Spieltag das Frankenderby bei der SpVgg Greuther Fürth mit 4:2 für sich entschieden. Der FC Bayern München verkauft laut Medienberichten die letzten fünf Prozent seiner Anteile an den Heiztechnik-Konzern Viessmann. Die „tz“ berichtete am Donnerstag, dass der Kaufpreis angeblich bei 250 Millionen Euro liegen soll. Eine partielle Sonnenfinsternis hat am Mittwochabend den deutschen Himmel verdunkelt. Der Mond schob sich zwischen Sonne und Erde und sorgte in Deutschland für ein Naturschauspiel. Zwischen 20:05 Uhr und 20:15 Uhr erreichte die Verdunkelung ihren Höhepunkt mit 85 bis 90 Prozent im Norden und 88 bis 92 Prozent im Süden.
Weitere Stories der Woche
Ein Waldbrand in der Eifel hat am Freitag zur Evakuierung des Ortsteils Gey in der Gemeinde Hürtgenwald geführt. Rund 1.800 Einwohner mussten den Ortsteil sofort verlassen, da sich das Feuer weiter auf das Gebiet zubewegt. Seit Donnerstagnachmittag stehen etwa 25 Hektar Wald in Flammen. Ein Hubschrauber ist am Freitagvormittag in einem Waldgebiet bei Sehmatal im Erzgebirge abgestürzt. Nach Angaben der Feuerwehr kam der Pilot bei dem Unglück ums Leben. Das Luftfahrzeug war zum Kalken in dem Waldgebiet unterwegs. Das Bundeskartellamt hat seine Prüfung der 50+1-Regel der Deutschen Fußball Liga abgeschlossen und bewertet die Regelung als kartellrechtlich zulässig. Taiwans Regierung hat im vergangenen Monat einen neuartigen Cyberangriff abgewehrt, der mit künstlicher Intelligenz gesteuert wurde. Das Ministerium für Digitale Angelegenheiten bezeichnete die Attacke auf staatliche Einrichtungen als „abnormal“ und „beispiellos“. Nordkorea hat kurz vor einem geplanten Militärmanöver der USA und Südkoreas erneut eine ballistische Rakete abgefeuert. Die Rakete wurde um etwa 6 Uhr morgens aus der Region Wonsan an der Ostküste abgefeuert und legte eine Flugstrecke von rund 300 Kilometern zurück.