Welt & Deutschland: Erste Bilanz der Woche 25.–30.05.2026 (KW 22)

Top-Story der Woche

Kinderreport 2026: Forderung nach 400.000 neuen Kita-Plätzen

Zeit für eine erste Bilanz der Woche: Das Deutsche Kinderhilfswerk hat am Dienstag gemeinsam mit Bundesfamilienministerin Karin Prien den Kinderreport 2026 vorgestellt. Das Werk konstatiert erheblichen Handlungsbedarf beim Thema Bildungsgerechtigkeit. Für eine Verbesserung der Bildungschancen insbesondere für Kinder aus sozial benachteiligten Familien fordert die Organisation den Ausbau der frühkindlichen Förderung und beziffert den Bedarf auf 400.000 zusätzliche Kita-Plätze bundesweit.

Bundespolitik

Mehrere Ministerpräsidenten warnten die Bundesregierung vor einer geplanten Einkommensteuerreform zu Lasten der Länderfinanzen. Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte kündigte an, er werde keiner Steuerreform zustimmen können, die dem Land Bremen und seinen beiden Städten finanzielle Nachteile bringe. Gesundheitsministerin Nina Warken plant angesichts eines erwarteten Defizits von über 22 Milliarden Euro in der Pflegeversicherung den Beitragszuschlag für Kinderlose um 0,1 Prozentpunkte auf 0,7 Prozent anzuheben. Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir startete zusammen mit NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst eine länderübergreifende Initiative zum Bürokratieabbau. Über Kita-Plätze und Bundesfinanzen hinaus prägten Spekulationen über einen angeblichen Kanzlertausch zwischen Friedrich Merz und Hendrik Wüst das politische Berlin. Das Umfeld von Merz kritisierte diese als naiv und gefährlich, Wüst selbst bezeichnete die Spekulationen am Freitag als Quatsch und stärkte Merz demonstrativ den Rücken.

Wirtschaft

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung korrigierte am Mittwoch seine Konjunkturprognose für das laufende Jahr nach unten. Die Wirtschaftsweisen erwarten nun ein preisbereinigtes Wachstum des deutschen Bruttoinlandsprodukts von 0,5 Prozent im Jahr 2026, bisher hatten sie 0,9 Prozent prognostiziert. Die Ifo-Exporterwartungen sanken im Mai auf minus 5,5 Punkte nach minus 1,2 Punkten im April. Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser erklärte, trotz einer Erholung des Exportgeschäfts im ersten Quartal blieben die Aussichten schwierig.

Die Inflationsrate sank im Mai auf 2,6 Prozent nach 2,9 Prozent im Vormonat. Im Vergleich zum April gingen die Verbraucherpreise um 0,2 Prozent zurück. Die Kerninflation lag bei 2,2 Prozent. Ein wichtiger Faktor war der seit 1. Mai geltende Tankrabatt. Die deutschen Importpreise stiegen im April um 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, der stärkste Anstieg seit Januar 2023. Das Ifo-Institut meldete für Mai einen Rückgang der Preiserwartungen auf 30,3 Punkte nach 31,3 Punkten im April. Der Stellenabbau in Deutschland verlangsamte sich leicht, das Beschäftigungsbarometer stieg auf 93,9 Punkte nach 91,4 Punkten im April. Dennoch wollen mehr Unternehmen weiterhin Arbeitsplätze abbauen als neue schaffen.

Der Dax stand am Pfingstmontag bei 25.389 Punkten und damit 2,0 Prozent höher als am vorherigen Handelstag. Die deutschen Pfandbriefbanken vergaben im ersten Quartal 2026 Immobiliendarlehen in Höhe von 39,8 Milliarden Euro, 5,9 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Die EU-Kommission genehmigte den Bundseinstieg beim niederländischen Übertragungsnetzbetreiber Tennet Deutschland für 3,3 Milliarden Euro. Die Bundesnetzagentur kündigte an, das Bandlastprivileg für große Stromverbraucher in der Industrie bis Ende 2031 zu verlängern. Deutschland und Kanada vereinbarten eine strategische Gaspartnerschaft über die jährliche Lieferung von einer Million Tonnen Flüssigerdgas für die kommenden zwei Jahrzehnte, Lieferbeginn Anfang der 2030er Jahre. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi weitete den Arbeitskampf bei der Postbank aus und kündigte Warnstreiks bis Samstag an. Klinikbeschäftigte in ganz Deutschland protestierten am Donnerstag mit Aktionen an über 50 Krankenhäusern gegen Kürzungspläne von Gesundheitsministerin Warken. Verkehrsminister Patrick Schnieder erhöhte den Druck auf Bahn-Chefin Evelyn Palla wegen der Unpünktlichkeit im Fernverkehr, die im April bei nur 64 Prozent lag.

Sicherheit und Bundeswehr

Das I. Deutsch-Niederländische Korps übernimmt Mitte des Jahres die Rolle eines taktischen Hauptquartiers innerhalb der Nato-Planung und damit eine Führungsrolle an der Ostflanke der Nato, insbesondere in der Region Estland und Lettland. Deutschland und Frankreich haben die geplanten Gespräche über eine engere Kooperation bei der nuklearen Abschreckung aufgenommen. Der Sicherheitsberater von Bundeskanzler Merz, Günter Sautter, reiste am Mittwoch für eine erste Gesprächsrunde nach Paris, auch andere europäische Staaten nahmen teil. Verfassungsschutz-Präsident Selen forderte von der Politik neue Befugnisse für den Inlands-Nachrichtendienst, um operativer arbeiten zu können. Politiker von Union, SPD und Grünen warnten vor Sicherheitsrisiken durch chinesische Technik bei einer möglichen deutschen Drohnenabwehr über Mobilfunknetze. Am Samstagvormittag stoppten die Sicherheitsbehörden den Betrieb am Flughafen München wegen einer mutmaßlichen Drohnensichtung vorübergehend.

USA und Trump-Administration

Die USA wollen ihre militärischen Beiträge für die Nato reduzieren. Washington will der Nato im Rahmen der Streitkräfteplanung rund ein Drittel weniger Kampfjets als bisher zur Verfügung stellen. US-Streitkräfte griffen am Montag Raketenstellungen im Süden des Iran an, das US-Zentralkommando bezeichnete die Luftschläge als Selbstverteidigungsschläge zum Schutz eigener Truppen. Am Donnerstag griffen die USA erneut iranische Ziele an, dabei wurden vier iranische Drohnen abgeschossen und eine Kontrollstation in Bandar Abbas getroffen. Die USA und der Iran stehen vor einer möglichen Verlängerung ihrer vereinbarten Waffenruhe um rund zwei Monate. US-Vizepräsident JD Vance erklärte, die Verhandlungen hätten Fortschritte erzielt. Bundeskanzler Merz telefonierte am Freitag mit Argentiniens Präsident Javier Milei und vereinbarte eine engere Zusammenarbeit.

Ukraine und Russland

Die Bundesregierung bestellte am Dienstag den russischen Botschafter ein. Das Auswärtige Amt begründete das diplomatische Protestsignal mit den Aufforderungen Russlands an die deutsche Botschaft, Kiew zu verlassen, und mit der Angriffswelle der vergangenen Tage. Bei diesen Angriffen wurden Krankenhäuser, Schulen und TV-Studios der ARD getroffen. In der rumänischen Stadt Galati schlug am frühen Freitagmorgen eine russische Drohne in ein Wohnhaus ein und verletzte zwei Menschen leicht. Die Drohne traf ein Apartment im zehnten Stock, knapp 70 Menschen wurden aus dem betroffenen Gebäude evakuiert. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg entschied am Donnerstag, dass russische Wehrpflichtige nicht allein aufgrund des zu erwartenden Wehrdienstes subsidiären Schutz in Deutschland erhalten können.

Weitere internationale Ereignisse

In der Demokratischen Republik Kongo sind nach dem jüngsten Ebola-Ausbruch mittlerweile über 900 Verdachtsfälle identifiziert worden, darunter 101 bestätigte Fälle. Das Epizentrum liegt in der Provinz Ituri, wo fast fünf Millionen Menschen inmitten anhaltender bewaffneter Konflikte leben. Der in der Berliner Charité behandelte Ebola-Patient zeigt einen positiven Krankheitsverlauf und erhält eine kombinierte antivirale Therapie. Die Zahl der internationalen Einsatzkräfte in Friedensmissionen hat Ende 2025 mit 78.633 ihren niedrigsten Stand seit mindestens 25 Jahren erreicht. Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri warnt vor einer Schwächung des multilateralen Konfliktmanagements durch geopolitische Spannungen und Finanzierungskrisen.

Die EU-Kommission leitete eine Untersuchung der geplanten Übernahme der Media-Markt-Saturn-Mutter Ceconomy durch den chinesischen E-Commerce-Riesen JD ein, Grund ist der Verdacht drittstaatlicher Subventionen. Die EU-Kommission verhängte eine Geldbuße in Höhe von 200 Millionen Euro gegen den chinesischen Onlinehändler Temu wegen Verstößen gegen das Gesetz über digitale Dienste. Die EU-Kommission will Unternehmen künftig dazu verpflichten, in die Dekarbonisierung in Europa zu investieren, diese Bedingung soll an die geplante Abschwächung des Emissionshandels geknüpft werden. Ein Wiener Geschworenengericht verurteilte am Donnerstag einen der Hauptverdächtigen im Fall des geplanten Terroranschlags auf Taylor-Swift-Konzerte in Wien zu 15 Jahren Haft.

Polizeimeldungen der Woche

In der Woche wurden bundesweit zahlreiche Messertaten registriert: In Düsseldorf-Friedrichstadt starb ein 38-Jähriger nach Messerstichen, zwei Tatverdächtige wurden festgenommen. In Pemfling stach ein 52-Jähriger auf seine Lebensgefährtin ein und flüchtete. Auf einem Tankstellengelände in Rauenberg verletzte ein Angreifer einen Mann mit einem Messer, das Opfer schwebt in Lebensgefahr. In Berlin-Spandau setzte die Polizei ein Elektroschockgerät gegen einen Messer-Angreifer ein. In Euskirchen verletzte ein 36-Jähriger einen Mann mit einem Messer und demolierte Geschäfte. In Hanau verletzte ein 40-Jähriger einen Mann bei einer Messerattacke nach Zigaretten-Verweigerung. In Gewalt-gegen-Frauen-Fällen fand die Polizei in Berlin-Lichtenrade eine 69-jährige Frau tot auf, der Ehemann wurde festgenommen. In Philippsburg griff ein 35-Jähriger seine Partnerin mit einem Messer an und kam in Haft.

In Baden-Baden belästigte ein 30-Jähriger eine Frau in einer Therme und beschimpfte Polizisten. In Nürnberg belästigte ein Exhibitionist zwei Frauen in der Altstadt. In einem Zug belästigte ein Mann eine Frau sexuell, die Bundespolizei ermittelt. Am Kasseler Platz der 11 Frauen ereignete sich eine rassistische Attacke, die Polizei sucht Zeugen und einen mutigen Helfer. In Berlin-Steglitz setzte die Polizei einen Taser gegen eine Frau mit einer Schere ein.

Timmy der Wal

Timmy der Wal ist seit Mitte April 2026 vor der niedersächsischen Nordseeküste gestrandet. Die Rettungsversuche laufen weiterhin, der Wal befindet sich am gleichen Ort, sein Zustand wird täglich beobachtet.

Kultur und Sport

Der SC Paderborn kehrt in die Fußball-Bundesliga zurück. Die Ostwestfalen besiegten im entscheidenden Relegationsrückspiel den VfL Wolfsburg mit 2:1 und machten damit nach dem torlosen 0:0 im Hinspiel den Aufstieg perfekt. Für Wolfsburg bedeutet das Ausscheiden den ersten Abstieg aus der Bundesliga in der Vereinsgeschichte. Crystal Palace gewann das Finale der Uefa Conference League gegen Rayo Vallecano mit 1:0. Jean-Philippe Mateta erzielte in der 51. Minute das entscheidende Tor für den Londoner Premier-League-Verein.

Justiz

Das Landgericht Verden verurteilte das frühere RAF-Mitglied Daniela Klette am Mittwoch zu 13 Jahren Haft wegen besonders schweren Raubs in mehreren Fällen. Klette gehörte zu den letzten drei noch flüchtigen RAF-Mitgliedern und wurde erst im Jahr 2024 festgenommen. Der Bundesgerichtshof wies eine Beschwerde des Generalbundesanwalts zurück und bestätigte damit die vorzeitige Entlassung der verurteilten Linksextremistin Lina E. aus der Haft. Das Landgericht Berlin ließ eine Anklage gegen den ehemaligen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer wegen des Vorwurfs der Falschaussage zu, er soll vor dem Maut-Untersuchungsausschuss falsch ausgesagt haben.

Weitere Stories der Woche

Die Raucherquote in Deutschland stagniert bei 19,1 Prozent, der Anteil rauchender und vapender Jugendlicher ist in den vergangenen Jahren wieder gestiegen. Die Zahl der stationären Krankenhausbehandlungen wegen Hautkrebs ist in Deutschland binnen 20 Jahren um 94,5 Prozent gestiegen, 120.100 Menschen wurden 2024 behandelt. Die Techniker Krankenkasse meldete 2025 einen Rekordwert von 7.540 Verdachtsfällen auf Behandlungsfehler, 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Die FDP wählte am Samstag auf ihrem Bundesparteitag in Berlin Wolfgang Kubicki zum neuen Parteivorsitzenden. Kubicki erhielt 59,3 Prozent der Delegiertenstimmen und setzte sich damit gegen die überraschend kandidierende Marie-Agnes Strack-Zimmermann durch, die 39,4 Prozent erreichte. In der Wählergunst stürzte die FDP auf drei Prozent ab und liegt damit wieder unter der Fünf-Prozent-Hürde. Am Freitagabend zogen schwere Gewitter über Teile Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens, der Deutsche Wetterdienst warnte vor Überflutungen und Hagelschlag.