Welt & Deutschland: Erste Bilanz der Woche 27.–01.08.2026 (KW 31)

Top-Story der Woche

CSD-Anschlag in Berlin

Zeit für eine erste Bilanz der Woche: Am Samstag raste ein Kleintransporter in die Menschenmenge beim Christopher Street Day im Berliner Tiergarten. Eine polnische Mutter starb, 29 weitere Personen wurden verletzt. Der 22-jährige Tatverdächtige Abdul B. kam bei dem Anschlag ums Leben. Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Auf dem Handy des Täters fanden Ermittler ein Bekennervideo zum Islamischen Staat, das am Tag des Anschlags aufgenommen worden war. Sicherheitsbehörden hatten den als Gefährder eingestuften Mann unter Beobachtung, eine verdeckte Kamera am Hauseingang zeichnete seine Flucht auf. Die Ermittlungen laufen weiter, ob eine zweite Person im Tatfahrzeug saß. Ein zweiter Verdächtiger wurde bereits am Sonntagabend aus dem Polizeigewahrsam entlassen.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt kündigte ein Drei-Punkte-Sicherheitspaket an. Die Union fordert die Abschaffung von Bewährungsstrafen für extremistische Gefährder und eine Reform des Jugendstrafrechts. Die Senioren-Union verlangt strengere Strafverfolgung für junge Täter. Der Bund der Strafvollzugsbediensteten fordert zentrale Hochsicherheitsgefängnisse für Extremisten. Der Bundesopferbeauftragte Roland Weber will die Betroffenen persönlich kontaktieren. Als Reaktion auf den Anschlag sagten die Organisatoren den für diese Woche geplanten „Zug der Liebe“ ab. Unbekannte zerstörten einen Gedenkort, der Staatsschutz ermittelt.

Bundespolitik

Bundeskanzler Friedrich Merz nahm sich nach einer turbulenten Woche Auszeit. Am Mittwoch wurden im Bundespräsidialamt die Entlassungs- und Ernennungsurkunden für mehrere Minister übergeben. Thorsten Frei trat sein Amt als Kanzleramtsminister an, Steffen Bilger übernahm das Verkehrsministerium, Carsten Linnemann das Gesundheitsministerium. Die Vereidigung erfolgt erst nach der Sommerpause. Frei wurde zudem mit 91,9 Prozent zum neuen Vorsitzenden der Unionsfraktion im Bundestag gewählt. Der bisherige Fraktionschef Jens Spahn war bei der Sondersitzung nicht anwesend. Merz kündigte an, Spahn anzurufen und ihm zu signalisieren, dass er nicht fallengelassen wird. Die CDU-Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz sagte ein geplantes Treffen mit Merz ab, Grund ist der Umgang mit dem entlassenen Verkehrsminister Patrick Schnieder. Franziska Hoppermann wird neue CDU-Generalsekretärin und folgt auf Linnemann. Die wöchentliche Kabinettssitzung am 5. August fällt aus.

Bundeskanzler Merz forderte bei seinem Besuch in Dublin massive EU-Kürzungen in Höhe von mehreren hundert Milliarden Euro. Die Bundesregierung einigte sich auf eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und des Netzpakets. Deutschlands oberste Datenschützerin Louisa Specht-Riemenschneider lehnt die geplante Reform der Geheimdienste entschieden ab.

Wirtschaft

Die deutsche Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Quartal um 0,2 Prozent, im Vergleich zum Vorjahresquartal um 0,9 Prozent. Für das Wachstum verantwortlich waren steigende Exporte. Die Inflationsrate zog im Juli auf 2,8 Prozent an, nachdem sie im Juni bei 2,3 Prozent lag. Grund ist das Ende des Tankrabatts. Im Euroraum stieg die Inflationsrate auf 2,9 Prozent, die Kerninflation kletterte auf 2,5 Prozent.

BMW plant den Abbau von 8.000 Arbeitsplätzen weltweit. Das Sparprogramm soll ab 2028 jährlich eine Milliarde Euro einsparen. Der Stellenabbau ist für Oktober 2026 bis Ende 2027 vorgesehen und erfolgt durch reguläre Abgänge. Der Konzerngewinn brach im zweiten Quartal um 35 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro ein, der Umsatz sank um 7,9 Prozent auf 31,3 Milliarden Euro. Für das erste Halbjahr fiel der Konzernüberschuss um 28,5 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Porsche baut in der Region Stuttgart 5.000 Stellen ab. Der Sportwagenbauer einigte sich mit Vorstand und Betriebsrat auf ein Zukunftspaket. Der Stellenabbau soll bis 2035 erfolgen und wird als sozialverträglich bezeichnet. Mercedes-Benz verzeichnete im zweiten Quartal einen Absatzrückgang. Der Konzern setzte 417.765 Fahrzeuge ab, 35.909 weniger als im Vorjahresquartal. Besonders der chinesische Markt brach um 30 Prozent ein.

Die Arbeitslosenzahl überschritt im Juli die 3-Millionen-Marke. Die Bundesagentur für Arbeit registrierte 3.007.000 Arbeitslose, 28.000 mehr als im Vorjahreszeitraum und 71.000 mehr als im Juni. Die Arbeitslosenquote stieg auf 6,4 Prozent. Die US-Börsen gerieten nach dem Zinsentscheid der Federal Reserve unter Druck. Der Dow Jones schloss mit einem Minus von 2,2 Prozent, der Nasdaq-100 verlor 2,1 Prozent, der S&P 500 1,5 Prozent. Die Fed hielt den Leitzins in der Spanne zwischen 3,5 und 3,75 Prozent, erstmals gab es Uneinigkeit im Führungsgremium. Zwei Ölkonzerne klagten gegen das Bundeskartellamt wegen dessen Untersuchung zu Benzinpreisen. Die Koalition lehnt weitere Entlastungen für Autofahrer ab.

Sicherheit und Bundeswehr

Deutschland und mehrere verbündete Länder gaben eine Warnung vor nordkoreanischen IT-Fachkräften aus, die unter falschen Identitäten arbeiten und Einkommen zur Finanzierung von Nordkoreas Atomwaffenprogramm nutzen. Das Auswärtige Amt veröffentlichte die gemeinsame Erklärung mit mehreren EU-Staaten, den USA, Kanada, Japan und Südkorea.

Der Thüringer Verfassungsschutzpräsident Stephan Kramer warnte, dass die größte islamistische Terrorgefahr derzeit von Einzeltätern ausgeht. Besonders wahrscheinlich sind Anschläge durch einzelne Personen oder sehr kleine, unabhängig handelnde Gruppen mit leicht verfügbaren Waffen.

USA und Trump-Administration

US-Präsident Donald Trump traf sich im Weißen Haus mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Selenskyj bewertete das Gespräch als positiv und dankte Trump für das gemeinsame Engagement. Trump verkündete eine Einigung auf die vollständige Entwaffnung der Hamas über seinen Friedensrat. Laut Trump sollen sich die israelischen Streitkräfte aus dem Gazastreifen zurückziehen, sobald die Entwaffnung abgeschlossen ist. Trumps Sprecherin Karoline Leavitt beschrieb beide Gespräche als positiv und konstruktiv.

Ukraine und Russland

Russische Streitkräfte griffen in der Nacht zu Samstag Kiew an und töteten dabei mindestens neun Menschen. Sieben Stadtbezirke der Hauptstadt waren vom Beschuss betroffen, Dutzende weitere Menschen wurden verletzt. Russland feuerte insgesamt mehrere Dutzend Raketen und Drohnen ab. Ein russischer Marschflugkörper vom Typ Ch-101 stürzte am Donnerstag in Polen ab, etwa 80 Kilometer von der polnisch-ukrainischen Grenze entfernt. Polens Verteidigungsminister Ireneusz Nowak bestätigte die Luftraumverletzung.

Weitere internationale Ereignisse

Die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta erlebte eine Migrationskrise. Rund 60.000 Menschen gelangten in kurzer Zeit über die Grenze, 34 Menschen starben bei den Überquerungen. Mittlerweile kehrten über 48.000 Migranten freiwillig nach Marokko zurück. Spaniens Außenminister José Manuel Albares betonte, die Integrität des Schengenraums sei gewährleistet. Ministerpräsident Pedro Sánchez reiste zur Enklave, Spanien entsandte Militär. Italien reagierte mit der Schließung der See- und Luftgrenzen zu Spanien und setzte das Schengen-Abkommen vorübergehend aus. Bundesinnenminister Dobrindt kündigte eine Verlängerung der Grenzkontrollen an und forderte Spanien auf, den europäischen Außengrenzschutz zu gewährleisten. Bundeskanzler Merz forderte Spanien zu entschlossenen Maßnahmen gegen illegale Migration auf.

Die EU-Kommission plant Milliardenstrafen gegen Apple, Google und Meta. Hintergrund sind Vorwürfe, die Unternehmen würden ihre marktbeherrschende Stellung ausnutzen und den Zugang zu digitalen Märkten beschränken. Die EU will ein Gigaprojekt mit bis zu sieben KI-Fabriken starten, um Europa als führenden KI-Standort zu etablieren. Der Iran feuerte in der Nacht zum Mittwoch Raketen auf US-Stützpunkte im Nahen Osten ab. Die USA griffen anschließend Ziele im Irak an. In Paris wurden am Montag drei Frauen Opfer eines Messerangriffs, eine 36-Jährige schwebt in Lebensgefahr. Im Süden Frankreichs und in Spanien kämpften Feuerwehrleute gegen Waldbrände, erste Erfolge wurden erzielt. Nach rund 15 Jahren ohne Direktverbindung startet am 29. Juli erstmals wieder ein Nonstop-Linienflug von Deutschland nach Damaskus.

Polizeimeldungen der Woche

In Meckenheim griff ein Mann seine Lebensgefährtin mit einem Messer an, die Mordkommission ermittelt. In Gevelsberg wurde ein 41-Jähriger durch einen Messerangriff lebensgefährlich verletzt, gegen einen 46-Jährigen wurde Haftbefehl erlassen. In Frankfurt-Preungesheim wurde ein 27-Jähriger mit Messerstichen verletzt, in einer Kasseler Kneipe ein 43-Jähriger. In Berlin-Gesundbrunnen wurden zwei Männer bei einem Streit um Drogenverkauf mit Messern verletzt. Ein Polizeibeamter in Leverkusen wurde mit einem Messer angegriffen, der Täter ist flüchtig.

In Treuenbrietzen wurde eine Frau lebensgefährlich verletzt, ein Mann wurde festgenommen. In Hofheim-Marxheim wurde eine Frau in einem Bus der Linie 405 sexuell belästigt. Am Kasseler Fuldaufer belästigte ein Exhibitionist eine junge Frau, die Polizei sucht Zeugen.

In Wuppertal fand die Polizei bei einer Durchsuchung Messer, Munition und eine Cannabis-Plantage. In Bad Homburg bedrohte ein Mann einen 16-Jährigen mit einem Messer, die Polizei setzte einen Taser ein. In Nordhausen zerstach ein Unbekannter systematisch 14 Autoreifen in einer Kleingartenanlage.

Timmy der Wal

Timmy der Wal ist weiterhin vor der niedersächsischen Nordseeküste gestrandet. Die Rettungsversuche laufen, der Wal befindet sich am gleichen Ort. Sein Zustand wird täglich beobachtet. Timmy ist seit Mitte April 2026 gestrandet.

Kultur und Sport

Die Fifa stoppte ihre umstrittenen Investorenpläne nach massivem Widerstand. Fifa-Präsident Gianni Infantino gab das Projekt in der Nacht zu Samstag auf, da es Spaltungen geschaffen habe. Die Uefa hatte zuvor mit einem Boykott aller Fifa-Turniere gedroht. Der europäische Verband kündigte an, gemeinsam mit anderen Kontinentalverbänden einen Plan auszuarbeiten, um solche Vorfälle zu verhindern. Der DFB forderte einen Kulturwandel bei der Fifa. Präsident Bernd Neuendorf kritisierte, Infantino habe eigenmächtig, intransparent und unverantwortlich gehandelt.

Manuel Neuer deutete sein Karriereende an. Der 40-jährige Torwart des FC Bayern München sagte am Tegernsee, es sehe stark danach aus, dass er aufhöre. Allerdings wolle er sein Karriereende nicht bewusst inszenieren.

Weitere Stories der Woche

Deutschland erlebte eine Hitzewelle mit neuen Julirekordemessen. An sechs Messstationen wurden am Donnerstag 40 Grad oder mehr gemessen, in Rheinfelden 40,0 Grad, in Frankfurt am Main über 40 Grad. Der Deutsche Wetterdienst gab für Mittwoch Hitzewarnungen für Teile aller westdeutschen Bundesländer aus. Bis zur Kalenderwoche 29 starben 9.800 Menschen an den hohen Temperaturen, mehr als in jedem Jahr seit 2016. Die AfD erreichte in der Forsa-Umfrage einen Rekordwert von 27 Prozent, die Union fiel auf 21 Prozent. Im ZDF-Politbarometer kam die AfD auf 28 Prozent, die Union auf 23 Prozent. In Sachsen-Anhalt liegt die AfD laut Infratest bei 41 Prozent, die CDU bei 24 Prozent. Der frühere Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier warnte vor einem Parteiverbot durch die Hintertür nach dem Ausschluss von AfD-Kandidaten in Niedersachsen. Die ehemalige Präsidentin der UN-Generalversammlung Annalena Baerbock forderte erstmals eine Frau als UN-Generalsekretärin. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder schloss eine Kanzlerkandidatur endgültig aus.