Stand 17:00 Uhr: Die Gewittergefahr für Schleswig-Holstein ist heute Abend als HOCH einzustufen. Der Instabilitäts-Index erreicht mit 10 von 10 Punkten seinen Maximalwert – konvektive Entladungen sind in den nächsten Stunden wahrscheinlich, besonders zwischen 19:00 und 23:00 Uhr. Schwerpunkte dürften zunächst die Landesinnenbereiche und der Westen sein, bevor sich Zellen auch in Richtung Küste verlagern können. Dabei sind Böen von 55 km/h und darüber fest einzuplanen. Ein Hagelpotenzial ist aufgrund der hohen atmosphärischen Instabilität nicht auszuschließen, bleibt aber derzeit sekundär gegenüber dem Sturmböen-Risiko.
Der Blick auf die Rohdaten erklärt die angespannte Lage: Die Luftfeuchte liegt bei 73 Prozent und überschreitet damit deutlich die meteorologische Problemschwelle von 70 Prozent. Der Taupunkt-Gradient – also der Abstand zwischen Lufttemperatur und Taupunkt – beträgt nur 5,4 Grad Celsius und liegt damit klar im kritischen Bereich unter 7 Grad. Das bedeutet: Die Atmosphäre ist bereits gut mit Feuchte gesättigt, Wolken kondensieren schnell, und aufsteigende Luftmassen finden reichlich Energie zum Antrieb. Hinzu kommt eine kräftige Windscherung: Böen von 55 km/h bei gleichzeitig hoher Bodenfeuchte sind eine klassische Kombination für die Bildung organisierter Gewitterzellen mit rotierenden Aufwindstrukturen – in der Fachsprache Mesozyklonen-Potenzial. Kurzum: Alle drei Zutaten für schwere Konvektion sind heute Abend vorhanden – Energie, Feuchte und dynamischer Antrieb durch Wind.
In der Nacht auf Sonntag lässt die Gewittergefahr schrittweise nach, bleibt aber bis in die frühen Morgenstunden erhöht. Der Sonntag selbst bringt eine gewisse Entspannung: Der Instabilitäts-Index fällt auf 8 von 10, die Luftfeuchte sinkt auf 50 Prozent, und die Niederschlagswahrscheinlichkeit liegt bei 44 Prozent – vorwiegend als Schauer, weniger als klassische Gewitter. Die Böen schwächen sich auf 45 km/h ab. Auch der Montag bleibt mit Regen und einem Index von 8 unbeständig, ist aber deutlich geordneter. Erst am Dienstag beruhigt sich die Lage spürbar: Der Instabilitäts-Index fällt auf 3, der Wind legt kaum noch Böen hin, und die Regenwahrscheinlichkeit beträgt nur 4 Prozent. Die Woche startet ruhig.
Für alle, die heute Abend noch draußen sind: Beobachten Sie den Himmel aktiv. Warnsignale sind ein plötzlicher Temperaturabfall von 3 bis 5 Grad innerhalb weniger Minuten, rasch aufziehende dunkle Quellwolken im Westen oder Südwesten sowie ein spürbarer Windanstieg vor einem Gewitter. Holen Sie Gartenmöbel und lose Gegenstände rechtzeitig herein – Böen um 55 km/h reichen aus, um leichte Objekte gefährlich zu beschleunigen. Wassersportler und Bootsfahrer sollten jetzt bereits an Land oder im sicheren Hafen sein und dort bleiben, bis eine offizielle Entwarnung vorliegt. Autofahrern empfehlen wir: Bei starkem Regen Geschwindigkeit deutlich reduzieren, ausreichend Abstand halten und bei Aquaplaning-Gefahr oder Sichtweite unter 50 Metern eine sichere Stelle anfahren und warten. Wer noch Freizeitaktivitäten im Freien plant, sollte diese auf morgen Mittag verschieben.
