Stand 17:05 Uhr: Für die kommenden 6 bis 12 Stunden besteht in Thüringen ein moderates bis hohes Gewitterrisiko. Der Instabilitäts-Index liegt heute bei 7 von 10 – das entspricht einer deutlich erhöhten konvektiven Energie in der Atmosphäre. Einzelne Gewitter sind ab dem frühen Abend, spätestens nach 20:00 Uhr, wahrscheinlich, mit Schwerpunkt in den exponierten Lagen des Thüringer Waldes sowie im zentralen Flachland. Mit Böen bis 48 km/h ist bei durchziehenden Gewitterzellen auch Sturmböen lokal möglich. Das Hagelpotenzial ist bei der aktuellen Feuchte und Instabilitätskombination als gering bis mäßig einzustufen, kann jedoch bei räumlich konzentrierten Zellen nicht vollständig ausgeschlossen werden.
Der Grund für die erhöhte Gewitterbereitschaft liegt im Zusammenspiel mehrerer ungünstiger Faktoren: Der heutige Spitzenwert von 34 Grad Celsius hat die bodennahe Luftschicht stark aufgeheizt, während der Taupunkt-Gradient mit 9 Grad noch im mittleren Bereich liegt – die Grenze zur sogenannten Problemzone liegt unter 7 Grad. Die Luftfeuchte von 64 Prozent liefert ausreichend Feuchtenachschub für aufsteigende Luftmassen. Entscheidend ist jedoch der Instabilitäts-Index von 7/10: Er zeigt an, dass die Atmosphäre erheblich vorgespannt ist – vergleichbar mit einem aufgezogenen Federwerk, das auf einen Auslöser wartet. Dieser Auslöser ist typischerweise die nachlassende Einstrahlung am späten Nachmittag, wenn Konvergenzlinien im Bodenwind die Luft zusätzlich zum Aufsteigen zwingen. Die Böen von bereits 48 km/h tagsüber deuten auf eine messbare Windscherung hin – das bedeutet, dass sich Windrichtung und -stärke mit zunehmender Höhe verändern. Das begünstigt die Organisation von Gewitterzellen und verlängert deren Lebensdauer. Das Druckfeld zeigt keine ausgeprägten stabilisierenden Hochdruckstrukturen, sodass dynamischer Auftrieb von oben die Konvektion zusätzlich antreiben kann.
In der Nacht auf Mittwoch schwächt sich die Lage deutlich ab. Die Instabilität fällt am Mittwoch auf einen Index von lediglich 2 von 10 – damit ist konvektive Aktivität praktisch ausgeschlossen. Die Luftfeuchte sinkt auf 50 Prozent, die Böen gehen auf 30 km/h zurück. Auch Donnerstag und Freitag bringen keinerlei Gewittergefahr: Die Atmosphäre stabilisiert sich zunehmend, die Instabilitätsindizes von 0 beziehungsweise 3 sprechen für ruhige, trockene Verhältnisse. Das Temperaturniveau geht spürbar zurück – am Freitag werden nur noch 15 Grad erreicht, was auf einen markanten Luftmassenwechsel hindeutet. Die nächsten 72 Stunden nach dem heutigen Abend können damit als gewitterfrei eingestuft werden.
Wer sich heute Abend noch im Freien aufhält, sollte die Entwicklung der Wolken im Westen und Südwesten im Blick behalten. Klassische Warnsignale für herannahende Gewitterzellen sind rasch aufquellende dunkelgraue Cumulonimbus-Türme, ein plötzlicher Temperaturrückgang um 3 bis 5 Grad innerhalb weniger Minuten sowie eine spürbare Windböenzunahme aus wechselnden Richtungen. Outdoor-Aktivitäten wie Wandern im Thüringer Wald, Camping oder Radtouren sollten bis spätestens 19:30 Uhr beendet oder in Sicherheit gebracht werden. Wassersport auf Talsperren und Seen – etwa Hohenwarte oder Bleilochtalsperre – ist ab sofort nicht mehr empfehlenswert. Autofahrer sollten bei einsetzenden Gewittern die Geschwindigkeit deutlich reduzieren und bei starkem Regen mit Aquaplaning rechnen. Bäume, Masten und offene Flächen bieten bei Gewitter keinen Schutz – suchen Sie stabile Gebäude oder Kraftfahrzeuge auf.
