Zehn Jahre Erfolgsgeschichte: Bonns Präventionsprogramm „Kurve kriegen“ rettet Jugendliche vor Kriminalität

(Symbolbild)

Das Präventionsprogramm „Kurve kriegen“ im Polizeipräsidium Bonn feiert sein zehnjähriges Bestehen. Die Initiative des NRW-Innenministeriums hilft straffällig gewordenen Kindern und Jugendlichen, Wege aus der Kriminalität zu finden.

Seit ihrer Gründung 2011 in zunächst acht nordrhein-westfälischen Städten hat sich „Kurve kriegen“ kontinuierlich ausgeweitet. Im Jahr 2016 kam das Polizeipräsidium Bonn als Standort hinzu. Seitdem arbeitet die Initiative daran, kriminalitätsgefährdete junge Menschen frühzeitig zu erkennen und durch individuelle Hilfsangebote vor einem dauerhaften Abgleiten in die Kriminalität zu bewahren.

Die Bilanz der Bonner Initiative kann sich sehen lassen: In einem Jahrzehnt haben die Präventionsspezialistinnen und -spezialisten des Kriminalkommissariats Kriminalprävention/Opferschutz zusammen mit pädagogischen Fachkräften 106 Kinder und Jugendliche aus Bonn und der Region betreut. Von ihnen haben 63 das Programm erfolgreich abgeschlossen und sind nicht in die Kriminalität abgerutscht. Weitere 19 junge Menschen nehmen aktuell teil. Nur in wenigen Fällen brachen Teilnehmende das Programm ab (6 Fälle) oder verließen es wegen eines Wohnortwechsels (12 Fälle). In lediglich sechs Fällen mussten Jugendliche aufgrund anhaltender Straffälligkeit an die spezialisierte Intensivtätersachbearbeitung überstellt werden.

Zur Jubiläumsveranstaltung am Montagmittag des 13. Juli 2026 kamen Vertreterinnen und Vertreter der Initiative, der Kommunen, der freien Träger der Jugendhilfe sowie weitere Netzwerkpartner zusammen. NRW-Innenminister Herbert Reul würdigte die Arbeit: „Kurve kriegen ist ein absolutes Erfolgsmodell. Es steht für frühe Intervention, Veränderung und Einsicht. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind mit ganzem Herzen im Einsatz. Sie helfen, unterstützen und fördern durch Angebote und pädagogische Maßnahmen. Durch Kurve kriegen kommen Kinder und Jugendliche wieder auf den richtigen Weg und finden Anschluss, der ihnen sonst gefehlt hätte.“

Auch Bonns Polizeipräsident Frank Hoever betonte die Bedeutung der Initiative: „Wir freuen uns, dass die Initiative Kurve kriegen bereits seit einem Jahrzehnt ein fester Bestandteil unserer kriminalpräventiven Arbeit ist. Jeder junge Mensch, der durch Kurve kriegen einen anderen Weg einschlägt, ist ein Gewinn – für sich selbst, für seine Familie und für unsere gesamte Gesellschaft.“

Grußworte sprachen zudem Bonns Bürgermeisterin Dr. Ursula Sautter und der Landrat des Rhein-Sieg-Kreises, Sebastian Schuster.

Eine Besonderheit der Bonner Initiative: Die pädagogischen Fachkräfte von update, der Fachstelle für Suchtprävention von Caritas und Diakonie, haben einen eigenen Büroraum direkt im Polizeipräsidium. Sie arbeiten Tür an Tür mit den Präventionsspezialistinnen und -spezialisten zusammen – ein Konzept, das sich bewährt hat. „Die kurzen Wege zwischen Polizei und den pädagogischen Fachkräften von update sind ein entscheidender Erfolgsfaktor“, erläuterte Caritasdirektor Jean-Pierre Schneider. „Hier wird interdisziplinär und in engster Zusammenarbeit der jeweils beste Weg für die Kinder, Jugendlichen und auch deren Familien erarbeitet.“

Den Fachkräften steht ein umfangreicher „Baukasten“ an Maßnahmen zur Verfügung: Kompetenztrainings, Lernhilfen, Sprach- und Sportkurse, freizeitpädagogische Angebote und Suchtberatungen. Die pädagogischen Fachkräfte koordinieren die Zusammenarbeit mit Ämtern, Schulen und weiteren Hilfen, sodass für jeden Teilnehmenden individuelle Angebote wirken können.

Landesweit ist „Kurve kriegen“ mittlerweile in 42 von 47 Kreispolizeibehörden in Nordrhein-Westfalen etabliert. Seit 2011 haben insgesamt 1676 Kinder und Jugendliche die Initiative erfolgreich abgeschlossen. Aktuell werden 694 junge Menschen an den verschiedenen Standorten betreut. Im Durchschnitt sind die Teilnehmenden bei der Aufnahme 12,6 Jahre alt.

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