BGH klärt: Müssen illegale Online-Casinos Spielverluste erstatten?

Der Bundesgerichtshof verhandelt am 17. September 2026 eine grundsätzliche Frage: Muss ein Online-Casino-Anbieter die Verluste eines Spielers zurückgeben, wenn er zum Zeitpunkt des Angebots keine erforderliche deutsche Lizenz hatte?

Der Fall betrifft einen Kläger, der zwischen Dezember 2020 und September 2022 bei einem Casino der maltesischen Betreiberin spielte. Das Unternehmen mit Sitz in Malta betrieb die deutschsprachige Webseite zwar mit maltesischer Lizenz, besaß aber keine Erlaubnis für den deutschen Markt. Der Kläger sieht die Spielverträge deshalb als ungültig an und fordert die Erstattung seiner Wetteinsätze.

Das Gericht hat das Verfahren zum sogenannten Leitentscheidungsverfahren bestimmt. Das bedeutet: Die Entscheidung des BGH wird nicht nur für diesen einen Fall gelten, sondern wirkt grundsätzlich für vergleichbare Fälle. Das Verfahren findet gemäß § 552b ZPO (Zivilprozessordnung) statt – einer Regel, die Revisionsverfahren zu Leitentscheidungen erklärt.

Das Urteil könnte für Tausende deutsche Spieler relevant sein. Viele haben auf illegalisierten Online-Plattformen gespielt, bevor Deutschland 2021 neue Glücksspielregeln einführte. Die zentrale Frage lautet: Schützt deutsches Recht Spieler vor Verlusten, wenn der Anbieter keine Lizenz hatte – unabhängig davon, dass er im Ausland reguliert war?

Bislang ist unklar, wie Gerichte solche Fälle bewerten. Einige argumentieren, dass ein Spieler ohne gültige deutsche Konzession keinen vertraglichen Schutz genießt. Andere sehen darin einen Verstoß gegen deutsches Glücksspielrecht, das die Spieler schützen soll. Ein BGH-Urteil würde hier Klarheit schaffen.

Der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs, der diese Entscheidung trifft, ist speziell für solche Rechtsstreitigkeiten zwischen Spielern und illegalen Glücksspiel-Anbietern zuständig. Die Verhandlung ist für 10:00 Uhr angesetzt und trägt die Aktenzeichen I ZR 216/25.

Der Bundesgerichtshof (BGH) ist das höchste deutsche Gericht für Zivil- und Strafsachen und sitzt in Karlsruhe. Seine Urteile und Beschlüsse sind für alle untergeordneten Gerichte in Deutschland bindend.

(Gerhard Schmidt, Justizredaktion Karlsruhe)

Aktenzeichen: I ZR 216/25

Quelle: Pressemitteilung BGH

(Gerhard Schmidt, Justizredaktion Karlsruhe)