Der Bundesgerichtshof muss klären, ob Künstliche Intelligenz zum Trainieren kostenlos Millionen von Fotos aus dem Internet nutzen darf — ohne die Fotografen zu bezahlen. Die mündliche Verhandlung findet am 3. September 2026 um 9:00 Uhr statt.
Um was geht es konkret? Ein Fotograf hat einen gemeinnützigen Verein verklagt. Dieser Verein stellt einen riesigen Datensatz mit 5,85 Milliarden sogenannten Bild-Text-Paaren kostenlos ins Internet. Ein solches Paar besteht aus einem Link zu einem frei abrufbaren Bild und einer Textbeschreibung, die erklärt, was auf dem Bild zu sehen ist. Dieser Datensatz dient dazu, generative Künstliche Intelligenz zu trainieren — also KI-Systeme, die neue Bilder erschaffen können.
Die zentrale rechtliche Frage ist: Verletzt es das Urheberrecht eines Fotografen, wenn sein Foto in einen solchen Trainings-Datensatz aufgenommen wird? Der Kläger, selbst Fotograf, sagt ja. Der beklagte Verein argumentiert offenbar, dass dies erlaubt sein sollte.
Generative KI-Modelle wie DALL-E, Midjourney oder Stable Diffusion müssen mit Millionen von Beispielen trainiert werden. Ohne solche Trainingsdaten können sie nicht lernen, wie Bilder aussehen und wie man Wörter in visuelle Inhalte umsetzt. Die Branche nutzt dafür häufig große Bilddatenbanken aus dem Internet — vielfach ohne die ursprünglichen Fotografen zu fragen oder zu bezahlen.
Aus Sicht der KI-Entwickler ist dies ein notwendiger Schritt für technischen Fortschritt und Forschung. Aus Sicht von Künstlern und Fotografen ist es eine unerlaubte Verwendung ihres geistigen Eigentums. Sie verdienen an ihren Werken nicht mit, obwohl diese das Training ermöglichen.
Der Fall betrifft also einen grundsätzlichen Konflikt zwischen dem Schutz von Urheberrechten einerseits und der Förderung von Forschung und technologischem Fortschritt andererseits. Der beklagte Verein wird sich wohl auf sein gemeinnütziges Ziel berufen — die Förderung von Forschung und Bildung. Das ist jedoch kein automatischer Grund, Urheberrechte zu ignorieren.
Der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs ist spezialisiert auf Urheberrechtsfragen und entscheidet daher in diesem Fall. Seine Entscheidung wird Auswirkungen auf die gesamte KI-Industrie haben. Je nachdem, wie das Gericht urteilt, könnte es Trainings-Datensätze in Zukunft schwieriger oder einfacher machen — und damit beeinflussen, wie schnell KI-Systeme in Deutschland entwickelt werden können.
Ähnliche Fälle beschäftigen derzeit auch amerikanische und europäische Gerichte. Das Urteil des BGH wird also im internationalen Kontext beobachtet werden.
Der Bundesgerichtshof (BGH) ist das höchste deutsche Gericht für Zivil- und Strafsachen und sitzt in Karlsruhe. Seine Urteile und Beschlüsse sind für alle untergeordneten Gerichte in Deutschland bindend.
(Gerhard Schmidt, Justizredaktion Karlsruhe)
Aktenzeichen: I ZR 281/25
Quelle: Pressemitteilung BGH
(Gerhard Schmidt, Justizredaktion Karlsruhe)