Die US-Zollpolitik belastet die deutsche Industrie zunehmend und wirkt sich immer stärker auf Investitionsentscheidungen aus. Das zeigt eine aktuelle Befragung des Ifo-Instituts, wonach mehr als 60 Prozent aller deutschen Industrieunternehmen unter den Auswirkungen der amerikanischen Zölle leiden.
Besonders hart trifft es die Automobilindustrie: Hier berichten 74 Prozent der Betriebe von negativen Folgen – ein deutlicher Anstieg um 14 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. „Die Zollbelastung hat sich verfestigt, statt sich abzuschwächen. Die Autoindustrie ist doppelt betroffen: durch hohe Zölle und rückläufige Exporte in die USA“, erklärt Ifo-Außenhandelsexperte Andreas Baur.
Die Bremswirkung auf Investitionen am Standort Deutschland ist deutlich messbar: Der Anteil der Unternehmen, die geplante Investitionsprojekte komplett gestrichen haben, ist von 9 auf 16 Prozent nahezu verdoppelt worden. Etwa jedes dritte Unternehmen verschiebt Investitionen zeitlich – ein Anstieg um 11 Prozentpunkte. „Die US-Zollpolitik trifft nicht nur das Geschäft in den USA selbst, sondern bremst zunehmend auch Investitionen am Standort Deutschland. Das ist ein Alarmsignal, gerade weil Investitionsentscheidungen normalerweise sehr träge sind“, warnt Ifo-Forscher Sebastian Link.
Allerdings gelangen es vielen Unternehmen, die zusätzlichen Zollkosten weiterzugeben: 34 Prozent wälzen sie vollständig auf ihre US-Kunden ab, weitere 28 Prozent zu mehr als der Hälfte. Jedes vierte Unternehmen trägt die Kosten jedoch selbst – mit Folgen für Margen und Geschäftslage.
Hoffnung auf Entspannung gibt es kaum: 63 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit einem unverändert hohen US-Zollniveau, 13 Prozent kalkulieren sogar mit weiteren Zollsteigerungen.
Autor: dts Nachrichtenagentur