Patienten in der gesetzlichen Krankenversicherung greifen 2025 immer häufiger tiefer in die Tasche, um hochwertigere Hilfsmittel zu bekommen. Die freiwilligen Mehrkosten sind um knapp neun Prozent auf 1,13 Milliarden Euro gestiegen, wie der GKV-Spitzenverband berichtet.
Besonders deutlich wächst die Belastung für einzelne Patienten: Die durchschnittliche Eigenzahlung pro Fall schnellte um sieben Prozent auf 158,61 Euro in die Höhe – ein stärkerer Anstieg als die fünfprozentige Erhöhung der Kassenausgaben auf 12,12 Milliarden Euro.
Zur Grundlage der Analyse dienten Daten zu 31,9 Millionen Hilfsmittelversorgungen aus dem Jahr 2025. Der Trend ist eindeutig: In rund 7,1 Millionen Fällen, also 22,3 Prozent aller Versorgungen, entschieden sich Versicherte bewusst für teurere Alternativen und zahlten den Aufpreis selbst. Im Vorjahr lag dieser Anteil noch etwas niedriger – es ist der höchste Wert seit Beginn der Statistik 2019. Dagegen erhielten 77,7 Prozent der Versicherten ihre Hilfsmittel ohne zusätzliche Kosten.
«Alle Versicherten haben das Recht auf eine mehrkostenfreie Versorgung mit Hilfsmitteln», betont Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes. Zusätzliche Zahlungen seien nur vorgesehen, wenn sich Patienten bewusst für Leistungen über das medizinisch Notwendige hinaus entscheiden.
Die Krankenkassen übernehmen grundsätzlich die Kosten für medizinisch notwendige Hilfsmittel in wirtschaftlicher Ausführung. Versicherte leisten nur die gesetzlich vorgesehene Zuzahlung. Wählen sie aber eine höherwertige Variante aus Komfort- oder Ästhetikgründen, tragen sie die entstehenden Mehrkosten selbst.
Besonders auffällig ist die Situation bei Hörhilfen: Sie machen nur 5,9 Prozent aller Mehrkostenfälle aus, verursachen aber etwa 62 Prozent aller Mehrkosten. Versicherte zahlen hier durchschnittlich 1.656,99 Euro zusätzlich – deutlich mehr als bei jedem anderen Hilfsmittel.
Bei Schuheinlagen entschied sich mehr als jeder zweite Patient für eine hochwertigere Ausführung – ein Rekordwert unter allen Produktgruppen. Insgesamt konzentrieren sich 96 Prozent aller Mehrkostenfälle auf nur acht Produktgruppen: Einlagen, Hör- und Sehhilfen, Bandagen, Inkontinenzhilfen sowie Hilfsmittel zur Kompressionstherapie.
Der GKV-Spitzenverband fordert mehr Transparenz. Leistungserbringer sollten künftig den Krankenkassen mitteilen, warum sich Versicherte für kostspielere Varianten entschieden. Nur so lasse sich prüfen, ob Mehrkosten auf freiwilligen Wünschen beruhen oder ob Patienten ihre gesetzlichen Ansprüche gar nicht ausreichend kennen.
Autor: dts Nachrichtenagentur