Bei einem groß angelegten Verbundeinsatz auf St. Pauli haben Hamburger Behörden am Dienstag drei Immobilien überprüft und dabei erhebliche Missstände aufgedeckt. Ab 6:30 Uhr kontrollierten Mitarbeiter von Bezirksamt Hamburg-Mitte, Polizei Hamburg, Landeskriminalamt, Jobcenter, Familienkasse Nord und Steuerfahndung gemeinsam Objekte an der Reeperbahn und am Hamburger Berg.
Im Zentrum der Kontrollen standen die Gebäude Reeperbahn 66 und 68 – das Story-Hotel und die Story-Apartments – sowie das Mehrfamilienwohnhaus Hamburger Berg 31. Dem Jobcenter lagen zuvor Daten vor, die insgesamt 23 Bedarfsgemeinschaften mit 37 Personen in den Objekten vermuten ließen, darunter 13 Kinder. Die Behörden prüften, ob eine Überbelegung der Räume vorliegt, ob die gemeldeten Personen tatsächlich dort wohnen und ob sich weitere nicht gemeldete Personen in den Objekten aufhalten.
In den beiden Objekten an der Reeperbahn, die zur Unterbringung von Wohnungsnotfällen und Leistungsbeziehern genutzt werden, stellten die Kontrolleure erhebliche Bau- und Brandschutzmängel fest. Dazu gehörten fehlende Rauchmelder sowie unzureichende und nicht vorhandene Fluchtwege. Nutzungserlaubnisse für die Betriebe lagen ebenfalls nicht vor. Das Bezirksamt Hamburg-Mitte sprach daraufhin eine vorläufige Nutzungsuntersagung für alle 23 Zimmer aus.
Dem Betreiber gestatteten die Behörden, die Unterbringung der betroffenen Personen bis 17 Uhr desselben Tages anderweitig zu organisieren, was dieser zusicherte. Im Anschluss wurden die Objekte versiegelt.
Im Mehrfamilienwohnhaus am Hamburger Berg 31 stellten die Kontrolleure teilweise deutliche Überbelegungen der Zimmer fest. Da auch Kinder in den Räumlichkeiten untergebracht waren, bezogen die Behörden zusätzlich das Jugendamt ein. Darüber hinaus besteht der Verdacht einer unzulässigen Nutzung zu Beherbergungszwecken – entsprechende Genehmigungen sowie eine Gewerbeanmeldung konnten nicht vorgelegt werden.
Polizeipräsident Falk Schnabel zog eine positive Bilanz des Einsatzes: „Der Verbundeinsatz hat erneut gezeigt, dass wir in Hamburg erfolgreich an einem Strang ziehen. Gemeinsam haben wir heute eklatante Missstände aufgedeckt und wirksame Maßnahmen zum Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner ergriffen.“
Bezirksamtsleiter Ralf Neubauer von Hamburg-Mitte unterstrich den Wert der behördenübergreifenden Zusammenarbeit: „Der Verbundeinsatz unterstreicht den hohen Wert eines koordinierten Zusammenspiels der Behörden. Die Ergebnisse werden nun sorgfältig ausgewertet, um die Situation für die Menschen vor Ort nachhaltig zu verbessern.“
Das Jobcenter kündigte an, festgestellten Unregelmäßigkeiten konsequent nachzugehen. Der Einsatz bildete den Auftakt für eine verstärkte behördenübergreifende Zusammenarbeit zur Bekämpfung von Sozialleistungs-Missbrauch und unzulässigen Unterbringungen.