Bei einer groß angelegten Aktion gegen Drogenlieferdienste in Hamburg haben Zivilfahnder am Mittwoch insgesamt 14 Personen identifiziert, die im Verdacht stehen, mit Betäubungsmitteln zu handeln. Der schwerste Fall: Ein 41-jähriger Deutscher wurde bereits am Dienstagabend verhaftet und sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.
Unter der Führung der Abteilung für Rauschgiftdelikte des Landeskriminalamtes überprüften die Polizistinnen und Polizisten während des rund achtstündigen Einsatzes ab 14 Uhr im gesamten Hamburger Stadtgebiet elf Personen, die verdächtigt werden, im Rahmen eines Rauschmittellieferdienstes tätig gewesen zu sein. Die Einsatzkräfte durchsuchten vier Fahrzeuge sowie elf Wohnungen.
Bei den Durchsuchungen stellten die Beamten rund 190 Gramm Marihuana, knapp 20 Gramm Haschisch, gut 12 Gramm Kokain, rund 8.900 Euro mutmaßliches Dealgeld, zwei Schreckschusswaffen, ein Messer sowie diverses Verpackungsmaterial und Mobiltelefone sicher.
Besonders spektakulär war die Festnahme eines 26-jährigen Deutschen in Rahlstedt. Als die Polizisten den Mann im Bereich Neuköllner Ring kontrollieren wollten, flüchtete er mit seinem Mercedes AMG vor den Einsatzkräften. Er fuhr mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit und überfuhr dabei auch Gehwege. Die Beamten verfolgten das Fahrzeug, stoppten es in der Ebeersreye in Farmsen-Berne und nahmen den Mann vorläufig fest. Neben knapp zwei Gramm Kokain und 50 Euro mutmaßlichem Dealgeld beschlagnahmten sie auch das Fahrzeug sowie den Führerschein. Gegen ihn wird wegen Handels mit Betäubungsmitteln, Gefährdung des Straßenverkehrs und des Verdachts eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens ermittelt.
Den größten Fund machten die Ermittler bereits am Dienstagabend bei dem 41-Jährigen. Zivilkräfte des Polizeikommissariats 38 überprüften den Fahrer eines Peugeot und fanden im Kofferraum rund zwei Kilogramm Marihuana. Der Mann führte außerdem 5.500 Euro Bargeld mit sich. Bei der anschließenden Fahrzeugdurchsuchung, für die die Staatsanwaltschaft beim Amtsgericht Hamburg einen Durchsuchungsbeschluss erwirkt hatte, stellten die Polizeikräfte zudem 100 Gramm Haschisch und weitere rund 8.000 Euro Bargeld sicher.
In der Wohnung des 41-Jährigen machten die Polizisten den spektakulären Fund: etwa 40 Kilogramm Marihuana, rund 1,3 Kilogramm Ketamin, circa 500 Gramm Haschisch sowie diverses Verpackungsmaterial und Mobiltelefone. Der Mann steht zudem im Verdacht, sein Fahrzeug unter dem Einfluss berauschender Mittel geführt zu haben. Nach einer Blutprobenentnahme und der erkennungsdienstlichen Behandlung wurde er dem Untersuchungsgefängnis zugeführt. Ein Haftrichter erließ inzwischen einen Haftbefehl.
Insgesamt identifizierten die Einsatzkräfte 13 Männer im Alter von 17 bis 34 Jahren – neun Deutsche, zwei Türken sowie jeweils ein Italiener und ein Syrer – sowie eine 31-jährige Deutsche. Gegen elf der Männer wird wegen des Verdachts des Handels mit Betäubungsmitteln beziehungsweise Cannabis ermittelt, gegen die übrigen wegen des Erwerbs von Kokain oder Cannabis.
Alle Tatverdächtigen wurden nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen entlassen – bei sieben mutmaßlichen Rauschmittelhändlern wurden Fingerabdrücke und Fotos gemacht. Ein 18-jähriger deutscher Tatverdächtiger stand beim Ausliefern der Drogen offenbar unter THC-Einfluss. Da er dabei einen E-Scooter genutzt hatte, wurde ihm eine Blutprobe entnommen.
Die Ermittlungen werden nun durch das LKA 68 in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Hamburg geführt.