Pistorius rechnet mit bis zu 1.000 Zwangsversetzungen für Litauen-Brigade

via dts Nachrichtenagentur

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) geht davon aus, dass beim Aufbau der geplanten Bundeswehrbrigade in Litauen eine nennenswerte Zahl von Soldaten zwangsverpflichtet werden muss. Gegenüber der „Bild am Sonntag“ sprach er von unter 1.000 Soldaten – bei insgesamt 4.800 Dienstposten in der neuen Formation.

Bislang habe man die Mehrzahl der Positionen problemlos mit Freiwilligen besetzen können, erläuterte Pistorius. Eine große Herausforderung stelle sich allerdings bei den Mannschaftsdienstgraden und bei Spezialisten. In diesen Bereichen könne es am Ende zu Verpflichtungen kommen.

Zur militärischen Lage in der Ukraine zeigte sich der Verteidigungsminister optimistisch. Auf die Frage, ob Kiew gerade den Krieg gewinne, antwortete er: „So gut wie jetzt gerade sah es noch nie aus.“ Auf dem Schlachtfeld selbst sei wenig Bewegung zu beobachten – teils einige Kilometer in die eine, teils in die andere Richtung. Allerdings verbunden seien diese Verschiebungen mit „unvorstellbaren Verlusten der russischen Streitkräfte“. Zunehmend gelinge es der Ukraine zudem, Ziele in Russland selbst zu treffen und damit Raffinerien sowie die militärische Logistik zu zerstören.

Beim kommenden Nato-Gipfel, der am Dienstag beginnt, kündigte Pistorius weitere deutsche Finanzhilfen für die Ukraine an. Aus dem internationalen Hilfspaket werde Deutschland mit Sicherheit den größten Einzelbetrag leisten. Eine Lieferung des deutschen Marschflugkörpers Taurus nach Kiew hält der Minister dagegen nicht für erforderlich: „Ich glaube nicht, dass die Ukraine den Taurus noch braucht.“

Zur Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr sagte Pistorius, diese sei kriegstüchtiger als noch vor vier Jahren. Persistierende Probleme gebe es allerdings mit den Lieferzeiten bei Waffenbestellungen. Die Rüstungsindustrie mache Fortschritte, man benötige aber noch mehr Geschwindigkeit, um Bestellungen tatsächlich auf den Hof oder in den Hafen geliefert zu bekommen.

Autor: dts Nachrichtenagentur

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