Polizei Hannover macht Twitch-Präsenz dauerhaft – 1,13 Millionen Menschen erreicht

(Symbolbild)

Die Polizeidirektion Hannover macht ihre Social-Media-Präsenz auf der Gaming-Plattform Twitch dauerhaft. Nach einer erfolgreichen Pilotphase seit Dezember 2024 erhielt die Behörde am Montag einen entsprechenden Erlass vom Landespolizeipräsidium. Als bundesweite Vorreiterin erreicht die Polizei über die Streaming-Plattform Zielgruppen, die über klassische Medien schwerer zugänglich sind.

Die Zahlen belegen den Erfolg: Seit dem Start erreichte die Polizei über ihre Livestreams 1,13 Millionen Menschen und verzeichnet aktuell mehr als 68.000 Follower. Über den Chat traten seit Dezember 2024 mehr als 26.000 Menschen in Kontakt mit den sogenannten Twitch-Officern. Einzelne Streams verfolgen regelmäßig bis zu 40.000 Zuschauerinnen und Zuschauer – so viele, dass die Heinz-von-Heiden-Arena fast komplett gefüllt werden könnte.

Mindestens einmal wöchentlich präsentiert sich die Polizeidirektion im Livestream und diskutiert mit der Community aktuelle Themen. Repräsentiert wird die Behörde von mehreren Twitch-Officern, die den Job vor der Kamera im Nebenamt wahrnehmen. Der Kanal dient nicht nur der transparenten Darstellung des Polizeialltags, sondern hat sich als wirkungsvolles Instrument in der Kriminalprävention bewiesen – insbesondere im Bereich Cybercrime und Cybergrooming, der Anbahnung von Kontakten zu Minderjährigen durch Erwachsene im Netz.

„Unsere Präsenz auf Twitch ist weit mehr als nur moderne Öffentlichkeitsarbeit – sie ist digitale Bürgernähe im besten Sinne“, betont Polizeipräsidentin Gwendolin von der Osten. „Wir verlassen den sprichwörtlichen Elfenbeinturm und begegnen insbesondere jungen Menschen dort, wo sie einen großen Teil ihrer Lebensrealität verbringen.“ Durch den niedrigschwelligen Chat-Kontakt konnte die Polizei sogar Menschen in schwierigen Lebenssituationen, wie Betroffene häuslicher Gewalt, dazu ermutigen, Hilfe zu suchen.

Polizeioberkommissar Jan-Niklas Kansteiner koordiniert das in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit angesiedelte Projekt. „Hinter jedem Stream steckt das Ziel, Polizeiarbeit authentisch und begreifbar zu machen“, erklärt er. „Die Community merkt sofort, ob man sich verstellt oder echtes Interesse am Dialog hat.“ Die Behörde wurde bereits als „Ehrenbehörde des Jahres“ ausgezeichnet und gilt national wie international als Best-Practice-Beispiel für digitale Prävention.

Aktuelle Zahlen belegen, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland regelmäßig Videospiele spielt. Bei Kindern und Jugendlichen sind es rund 90 Prozent, die teilweise mehrere Stunden täglich in Gaming- und Onlinewelten abtauchen. Täter nutzen das Vertrauen, das im gemeinsamen Spiel entsteht, für ihre Zwecke aus und suchen nach potenziellen Opfern.

Das gemeinsame Gaming hat die Polizei als modernes Mittel erkannt, um mit jungen Zielgruppen in Gespräche auf Augenhöhe zu kommen. Mit der Polizeipräsenz können Täter nicht nur abgeschreckt werden, sondern Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene werden auf Gefahren durch Bedrohungen, Cybergrooming oder Online-Radikalisierung hingewiesen.

Die dauerhafte Präsenz wird sich weiter auf die Präventionsarbeit fokussieren. Geplant ist auch eine Zusammenarbeit mit anderen Polizeibehörden, zum Beispiel mit dem Landeskriminalamt Niedersachsen. Für die Nachwuchswerbung bleiben die Streams ein wichtiger Baustein: Kooperationen mit der Polizeiakademie Niedersachsen erreichten in Einzelstreams bereits über 250.000 Zuschauer und vermittelten ein modernes, attraktives Bild des Polizeiberufs.

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