Sexualdelikte an Minderjährigen: Fallzahlen steigen dramatisch – vor allem im Internet

via dts Nachrichtenagentur

Die Zahl der Sexualdelikte gegen Kinder und Jugendliche in Deutschland ist 2025 in vielen Bereichen angewachsen. Das zeigt das neue Bundeslagebild, das am Dienstag in Berlin von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), BKA-Präsident Holger Münch und der Unabhängigen Bundesbeauftragten gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Kerstin Claus, präsentiert wurde.

Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei Online-Straftaten. Sexuelle Missbrauchshandlungen an Kindern ohne körperlichen Kontakt verzeichneten einen Anstieg um 16,5 Prozent auf 4.861 Fälle gegenüber 2024. Das Internet begünstigt dabei digitale Phänomene wie Cybergrooming, Livestreaming oder Sextortion. Hinzu kommt: Künstliche Intelligenz eröffnet Tätern neue Möglichkeiten – reale Inhalte können ohne großes Fachwissen manipuliert oder völlig neue Inhalte künstlich erzeugt werden.

Bei Straftaten mit jugendpornografischen Inhalten wurde 2025 ein neuer Höchstwert erreicht: 11.515 Fälle bedeuten einen Anstieg um 19,9 Prozent. Straftaten mit kinderpornografischen Inhalten sanken dagegen um 2,7 Prozent auf 41.677 Fälle – bleiben aber auf hohem Niveau. In beiden Kategorien stellen Minderjährige etwa die Hälfte der Tatverdächtigen dar. Sie tragen häufig als sogenannte „Selbstfilmende“ dazu bei, indem sie entsprechende Inhalte unbedacht weitergeben. Daher sei Aufklärung und Vermittlung von Medienkompetenz für Kinder, Jugendliche, Eltern, Lehrkräfte und Fachpersonal zentral.

Minister Dobrindt warnte: „Täter dürfen sich nicht in der Anonymität des Internets sicher fühlen.“ Er fordert wirksame Instrumente wie die IP-Adressenspeicherung, um Täter zu identifizieren und Missbrauch zu beenden. „Kinder müssen besser geschützt werden, besonders in der digitalen Welt.“

BKA-Präsident Münch verwies darauf, dass das US-amerikanische National Center for Missing & Exploited Children (NCMEC) dem BKA über 100.000 strafrechtlich relevante Hinweise übermittelt habe. Dobrindt begrüßte parallel die Bestrebungen der EU, Lücken bei der Erkennung und Meldung von kinder- und jugendpornografischen Inhalten zu schließen.

Die Unabhängige Bundesbeauftragte Claus kritisierte jedoch, dass das Bundeslagebild das tatsächliche Ausmaß der sexuellen Gewalt im Netz nicht vollständig abbildet. „Sextortion“ nehme drastisch zu, und Cybergrooming treffe fast jeden dritten Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren. Claus fordert konkret: Cybergrooming muss unter Strafe gestellt werden, und Sextortion muss als eigenständige Sexualstraftat erfasst werden.

Autor: dts Nachrichtenagentur

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