Stand 17:05 Uhr: Für die kommenden 6 bis 12 Stunden besteht in Thüringen ein ernstzunehmendes Gewitterrisiko. Der Instabilitäts-Index liegt aktuell bei 10 von 10 – das entspricht der höchsten Gefährdungsstufe. Gewitter sind am heutigen Abend ab etwa 19:00 Uhr möglich, mit dem Schwerpunkt zwischen 20:00 und 23:00 Uhr. Besonders exponiert sind erhöhte Lagen wie der Thüringer Wald sowie die Rhön, aber auch das Flachland im Nordwesten des Freistaats ist nicht aus dem Schneider. Sturmböen von bis zu 59 km/h sind bereits jetzt messbar – bei eingelagerten Gewitterzellen können lokal noch höhere Böen auftreten. Das Hagelpotenzial ist bei der aktuellen Lage als moderat einzustufen und sollte nicht unterschätzt werden.
Die meteorologischen Ursachen für diese angespannte Lage sind eindeutig: Der Instabilitäts-Index von 10/10 signalisiert maximale konvektive Energie in der Atmosphäre – das bedeutet, die Luft ist stark aufgeladen und sucht aktiv nach einem Auslöser, um aufzusteigen und Gewitterzellen zu entwickeln. Hinzu kommt eine Luftfeuchtigkeit von 77 Prozent, die deutlich über der kritischen Schwelle von 70 Prozent liegt. Der Taupunkt-Temperaturgradient beträgt lediglich 5,8 Grad Celsius – Werte unter 7 Grad gelten als Warnsignal, weil die Luft bereits so feucht ist, dass aufsteigende Luftmassen sehr schnell kondensieren und Gewitterwolken rapide in die Höhe schießen können. Obendrauf sorgen mittlere Windgeschwindigkeiten von 34 km/h mit Böen bis 59 km/h für erhebliche Windscherung – also eine Änderung der Windgeschwindigkeit und -richtung mit der Höhe. Diese Windscherung ist der entscheidende Katalysator: Sie kann Gewitterzellen organisieren und ihnen eine längere Lebensdauer sowie eine größere räumliche Ausdehnung verleihen. Das Zusammenspiel aus maximaler Instabilität, hoher Feuchte und starker Scherung ist klassisches Rezept für unwetterartige Gewitter.
In der Nacht auf Dienstag lässt die Gewittergefahr deutlich nach. Der Dienstag selbst präsentiert sich mit einem Instabilitäts-Index von 0/10, einer Luftfeuchtigkeit von nur noch 50 Prozent und einem Taupunkt-Gradienten von 8,1 Grad als stabiler, trockener Sommertag. Gewitter sind am Dienstag praktisch ausgeschlossen. Der Mittwoch setzt diesen Trend fort – mit Temperaturen bis 33 Grad und einem Taupunkt-Gradienten von fast 11 Grad ist die Luft trotz der Hitze sehr trocken, was konvektive Entwicklungen stark hemmt. Erst am Donnerstag deutet der leicht gesunkene Taupunkt-Gradient von 6,4 Grad bei einem Instabilitäts-Index von 3 von 10 auf eine leicht wachsende Grunddisposition hin – das Gewitterrisiko bleibt dort jedoch noch im niedrigen Bereich und ist aktuell nicht als besorgniserregend einzustufen.
Wer sich heute Abend noch draußen aufhält, sollte die Situation aktiv beobachten. Typische Warnsignale sind eine rapide zunehmende Dunkelheit des westlichen Himmels, plötzlich auffrischende Böen aus wechselnden Richtungen sowie ein merklicher Temperatursturz von mehreren Grad innerhalb weniger Minuten – all das sind Vorboten einer herannahenden Gewitterzelle. Wer im Freien unterwegs ist, sollte spätestens bei den ersten Anzeichen Schutz in einem festen Gebäude suchen. Offene Flächen, Berggipfel, einzeln stehende Bäume und Gewässer sind bei Gewittergefahr tabu. Autofahrer sollten mit Sichtbehinderungen durch Starkregen rechnen und die Geschwindigkeit rechtzeitig reduzieren. Wassersportler und Camper auf exponierten Plätzen werden dringend gebeten, die Lage bereits jetzt zu entschärfen und sichere Unterkunft aufzusuchen. Die DWD-WarnWetter-App liefert aktuelle Unwetterwarnungen für Ihren genauen Standort.
Aufgrund der Gewitterwahrscheinlichkeit im heutigen Abendverlauf sind folgende spezifische Risiken konkret einzukalkulieren: Starkregen mit Regenmengen von lokal über 20 Litern pro Quadratmeter in kurzer Zeit kann zu Überflutungen von Unterführungen, Kellern und tiefliegenden Straßenabschnitten führen. Hagel mit Korngrößen von bis zu einem Zentimeter ist bei der vorhandenen Instabilität und Windscherung möglich – Fahrzeuge und empfindliche Pflanzen sollten wenn möglich geschützt werden. Die Blitzschlaggefahr ist bei einem Instabilitäts-Index von 10/10 als hoch einzustufen; elektrische Geräte im Freien sowie der Aufenthalt unter Bäumen sind kategorisch zu meiden. Darüber hinaus können die bereits gemessenen Sturmböen von bis zu 59 km/h im Umfeld aktiver Gewitterzellen vorübergehend auf Orkanstärke ansteigen und Äste oder schwach verankerte Gegenstände zu gefährlichen Geschossen machen.
