Das Wetter in Deutschland: Höchste Gewittergefahr am Sonntagabend – Unwetter möglich

Stand 17:00 Uhr: Die Gewitterlage für den heutigen Sonntagabend ist ernst zu nehmen. Der Instabilitäts-Index erreicht mit 10 von 10 den höchstmöglichen Wert – das bedeutet maximales konvektives Potenzial. Gewitter sind für die nächsten 6 bis 12 Stunden, also bis in die Nacht hinein, wahrscheinlich und können lokal unwetterartig ausfallen. Besonders gefährdet sind dabei erhöhte Lagen sowie Regionen mit bereits aufgehäufter Feuchtigkeit. Starke Böen bis 46 km/h sind möglich, in Verbindung mit aktiven Gewitterzellen können lokal auch Sturmböen deutlich darüber auftreten. Hagel ist angesichts der hohen Instabilität nicht ausgeschlossen. Das Niederschlagsrisiko liegt bei 30 Prozent, wobei einzelne Zellen bei direktem Übergang deutlich intensiver ausfallen können als der Flächenwert vermuten lässt.

Warum ist die Lage so brisant? Drei Faktoren kommen heute Abend zusammen und verstärken sich gegenseitig. Erstens zeigt der Instabilitäts-Index mit 10 von 10 an, dass die Atmosphäre außergewöhnlich stark labilisiert ist – vergleichbar mit einem hohen CAPE-Wert (Convective Available Potential Energy), also einer großen Menge an gespeicherter Auftriebsenergie in der Luft. Zweitens liegt die Luftfeuchte bei 74 Prozent und damit klar über der kritischen Schwelle von 70 Prozent, die feuchte Luftmassen als besonders gewitterträchtig kennzeichnet. Der Taupunkt-Gradient beträgt lediglich 4,5 Grad Celsius – je kleiner dieser Wert, desto näher liegt die Taupunkttemperatur an der tatsächlichen Lufttemperatur, was bedeutet: Die Luft ist bereits nahezu gesättigt und Wasserdampf kondensiert schnell zu Gewitterwolken. Drittens sorgen Böen von bis zu 46 km/h für eine relevante Windscherung – also für Unterschiede in Windrichtung und -geschwindigkeit zwischen bodennahen und höheren Luftschichten. Genau diese Scherung begünstigt das Entstehen rotierender Aufwindstrukturen (Mesozyklonen), die besonders organisierte und langlebige Gewitterzellen hervorbringen können.

In der Nacht bleibt das Unwetterpotenzial zunächst bestehen, schwächt sich aber voraussichtlich ab, da der Energieinput durch Sonneneinstrahlung wegfällt. Für Montag, den 6. Juli, zeigt sich ein deutlich entspannteres Bild: Der Instabilitäts-Index sinkt auf 6 von 10, die Luftfeuchte fällt auf 50 Prozent und der Taupunkt-Gradient verbessert sich auf 3,8 Grad Celsius. Regen bleibt mit einer Wahrscheinlichkeit von 46 Prozent und 4 mm Niederschlag das dominierende Thema, organisierte Gewitterzellen werden aber deutlich unwahrscheinlicher. Dienstag bringt bei trockenem Wetter und 25 Grad einen erneuten Anstieg des Instabilitäts-Index auf 8 von 10 – die Entwicklung sollte weiter beobachtet werden. Mittwoch beruhigt sich die Lage mit einem Index von nur 3 von 10 spürbar.

Wer sich heute Abend noch im Freien aufhält, sollte die Wetterentwicklung aktiv beobachten. Typische Warnsignale sind: eine rasche Verdunkelung des Himmels im Westen oder Südwesten, ein plötzlicher und merklicher Temperaturabfall um mehrere Grad innerhalb von Minuten sowie eine schnell zunehmende Böigkeit des Windes – all das sind Zeichen, dass eine aktive Gewitterzelle näher kommt. Bei Outdoor-Aktivitäten gilt: Sobald Donner zu hören ist, sofort ein stabiles Gebäude oder ein geschlossenes Fahrzeug aufsuchen und dort mindestens 30 Minuten nach dem letzten Donner bleiben. Erhöhte Lagen, freie Flächen, Bäume und Gewässer sind bei Gewitter strikt zu meiden. Wasser- und Freizeit­sportler sollten Seen und Flüsse sofort verlassen. Autofahrer werden gebeten, die Geschwindigkeit bei starkem Regen deutlich zu reduzieren und Unterführungen sowie tiefe Straßenabschnitte bei Starkregen nicht zu befahren.

Aufgrund der maximalen Instabilität in Kombination mit hoher Feuchte und Windscherung sind heute Nacht lokal Unwetter mit Starkregen von mehr als 25 Litern pro Quadratmeter in kurzer Zeit, Hagel mit Korngrößen von bis zu 2 Zentimetern sowie häufige Blitzentladungen möglich. In tief gelegenen Gebieten und Bereichen mit ohnehin gesättigten Böden besteht erhöhte Überflutungsgefahr. Blitzschläge sind bei der vorliegenden Gewitterintensität als reale Gefahr einzustufen – im Freien gibt es bei aktiven Zellen keinen sicheren Aufenthaltsort. Bitte verfolgen Sie aktuelle Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes unter wettergefahren.de und aktivieren Sie Warn-Apps wie NINA oder WarnWetter.