Das Wetter in Deutschland: Gewittergefahr am Abend – Instabilitäts-Index auf Höchststufe

Stand 17:00 Uhr: Das Gewitterrisiko für den heutigen Abend und die Nacht auf Freitag ist trotz der vergleichsweise kühlen Temperaturen zwischen 8 und 12 Grad als HOCH einzustufen. Der Instabilitäts-Index liegt mit 10 von 10 auf der absoluten Höchststufe – das bedeutet maximales konvektives Potenzial. Besonders in der Westhälfte Deutschlands sowie entlang von Mittelgebirgslagen ist ab etwa 19:00 Uhr mit einzelnen kräftigen Gewitterzellen zu rechnen, die sich bis nach Mitternacht halten können. Dabei sind Sturmböen von bis zu 55 km/h möglich. Hagel in kleinen Körnern ist nicht auszuschließen, steht aber nicht im Vordergrund – die primäre Gefahr liegt bei plötzlich auffrischenden Böen und Starkregen in kurzen Zeiträumen.

Die meteorologische Grundlage für diese Einschätzung ist eindeutig: Ein Instabilitäts-Index von 10 signalisiert, dass die Luftmasse hochgradig labil geschichtet ist – das heißt, aufsteigende Luftpakete werden kaum gebremst und können rasch Gewitterwolken aufbauen, auch wenn die Temperaturen für Oktober vergleichsweise niedrig erscheinen. Entscheidend ist hier nicht die absolute Temperatur, sondern der Gradient zwischen bodennaher Erwärmung und kalter Höhenluft. Die Luftfeuchtigkeit von 77 Prozent und ein Taupunkt-Gradient von nur 4 Grad Celsius (Werte unter 7 Grad gelten als Problemzone) zeigen, dass die Luft bereits nahezu gesättigt ist – ein wesentlicher Beschleuniger für konvektive Aktivität. Zusätzlich sorgt die Windscherung – also die Veränderung von Windgeschwindigkeit und -richtung mit der Höhe – in Kombination mit den Böen von bis zu 55 km/h für ein erhöhtes Mesozyklonen-Potenzial: das bedeutet, dass sich einzelne Gewitterzellen unter Umständen dreidimensional organisieren und länger aktiv bleiben können als übliche Schauer.

In der Nacht auf Freitag schwächt sich die Situation graduell ab, bleibt aber angespannt. Am Freitag selbst, dem 23. Oktober, ist mit anhaltendem Regen bei 8 bis 11 Grad zu rechnen, der Instabilitäts-Index fällt auf immer noch beachtliche 8 von 10 – das Gewitterrisiko ist damit MODERAT bis HOCH, bei einem Niederschlag von 2,8 mm und einer Regenwahrscheinlichkeit von 46 Prozent. Die Luftfeuchtigkeit sinkt auf 50 Prozent, was das Potenzial leicht dämpft, der enge Taupunkt-Gradient von 3,1 Grad hält jedoch die Schwelle für Gewitter weiterhin niedrig. Am Samstag setzt sich diese Lage ähnlich fort, bevor am Sonntag mit einem deutlich fallenden Instabilitäts-Index von nur noch 3 von 10 und nachlassenden Böen endlich Beruhigung in Sicht ist.

Für den heutigen Abend gilt: Nehmen Sie Gewitterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes ernst und rufen Sie vor Antritt längerer Fahrten die aktuellen Unwetterkarten ab (dwd.de oder Warn-App NINA). Typische Warnsignale sind plötzliches Absinken der Temperatur um mehrere Grad innerhalb weniger Minuten, rasch zunehmende Dunkelheit am Horizont trotz frühen Abenddämmerns sowie ein sprunghafter Anstieg der Böenstärke. Wer sich im Freien aufhält – ob beim Sport, Spaziergang oder auf dem Wasser – sollte sofort stabile Gebäude aufsuchen, sobald Donner hörbar wird. Der Richtwert lautet: Wenn Donner zu hören ist, ist Blitzschlag möglich – Abstand halten und keine exponierten Stellen wie Kuppen, offene Felder oder Gewässer aufsuchen. Autofahrer sollten bei starken Böen die Geschwindigkeit deutlich reduzieren und Abstand zu Lkw, Brücken und Waldrandgebieten halten.