Bahn-Baustellen kosten deutsche Industrie Milliarden

via dts Nachrichtenagentur

Das Baustellen-Chaos bei der Deutschen Bahn richtet sich zu einem massiven Wirtschaftsproblem aus. Umleitungen und Störungen im Güterverkehr verursachen Milliardenschäden in der Stahl-, Chemie- und Automobilindustrie, wie die „Welt am Sonntag“ berichtet.

Besonders die Stahlindustrie leidet unter den Transportschwierigkeiten. Die Schiene ist für sie der zentrale Verkehrsträger: Fast 50 Prozent aller Transportmengen werden laut der Wirtschaftsvereinigung Stahl per Zug befördert – ob Rohstoffe wie Erz, Schrott und Kohle oder fertige Stahlprodukte. Die Folgen sind dramatisch. Ein Sprecher des Branchenriesen Salzgitter bestätigt: „Wir haben unsere Hochofenproduktion drosseln müssen.“ Auch der Weltmarktführer ArcelorMittal ist betroffen. Sein Sprecher der deutschen Landesgesellschaft warnt: „Die Situation an unserem Standort Eisenhüttenstadt hat eine kritische Zuspitzung erreicht. Unsere Erzreserven dort sind weit unter den notwendigen Sicherheitsreserven.“

Die Automobilbranche kämpft ebenfalls mit Kapazitätsproblemen. Die deutsche Automobilindustrie bestätigt eine Reduktion der verfügbaren Transportkapazitäten auf der Schiene, teilt eine Sprecherin des Verbands der Automobilindustrie (VDA) mit. Seit 2022 verlagert die Branche deshalb zunehmend Verkehr auf die Straße aus.

Auch die Chemieindustrie, einer der wichtigsten Bahnkunden, ist betroffen. Knapp 25 Millionen Tonnen chemische Erzeugnisse werden jährlich mit Zügen durch Deutschland gefahren – darunter viele Gefahrgüter und Rohstoffe zur Versorgung der Produktion, wie der Verband der Chemischen Industrie (VCI) mitteilt. Zuletzt kommt es immer wieder zu Produktionsbeeinträchtigungen, wenn Rohstoffe verspätet eintreffen oder Produkte nicht abgefahren werden können, weil die Lagerkapazitäten begrenzt sind. Hinzu kommen steigende Kosten.

VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup fordert entschiedenes Handeln: „Die Bahn muss dringend nachsteuern.“ Besonders wichtig seien Verbesserungen bei Planung und Koordination sowie bei der Priorisierung. Der Güterverkehr müsse auf Umleitungsstrecken Vorrang erhalten, verlangt Große Entrup. Während Schienenersatzverkehr bei Personenzügen möglich und üblich sei, funktioniere das beim Gütertransport nicht.

Autor: dts Nachrichtenagentur

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