Die Börsenwoche beginnt mit einer Veränderung im DAX40, die bezeichnend ist dafür, wie brachial sich die Wirtschaft in Deutschland verändert: Die Porsche Holding SE geht, das Bau- und Infrastrukturunternehmen Hochtief nimmt seinen Platz ein. Zwar ist die Holding nicht der „Autobauer“, hält aber die Mehrheit an der Volkswagen AG. Nicht mehr wichtig genug, nicht mehr kapitalkräftig und umsatzstark genug für den Index der 40 wichtigsten Börsenunternehmen. Eine Milliarde Verlust im ersten Quartal dieses Jahres. Zweite Wahl ab jetzt. Hochtief wiederum hat sich den Aufstieg ausgerechnet in den USA erkämpft. Eine Tochter baut dort große Infrastrukturprojekte, allem voran Rechenzentren. Die es in Deutschland nicht gibt. Fast eine Anekdote, aber eine passende und wahre: Heute wurde bekannt, dass Dr. Wolfgang Porsche, der heimlicher Herrscher über die Porsche Holding, seine Villa in Salzburg verkaufen will. Obwohl er gerade nach Jahren die Sonderausnahme-„Genehmigung“ bekommen hatte, einen beheizbaren Autotunnel zu seiner Villa bauen zu dürfen. Die öffentliche Aufregung darüber sei zu groß geworden. Es gibt alte Automobil-Fürsten, die nicht merken, dass sie schon lange aus der Zeit gefallen sind. Vielleicht hilft die harte Realität der Börse.
Und die sah in der vergangenen Woche so aus: Der DAX zeigte sich leicht schwächer und verlor auf Wochensicht 0,33 %. Der Index startete am Montag bei 25.068,37 Punkten und schloss am Freitag bei 24.985,82 Punkten. Das Wochenhoch wurde bei 25.173,02 Punkten erreicht, das Wochentief bei 24.763,53 Punkten. Die Handelswoche verlief insgesamt bewegt – die Schwankungsbreite von gut 400 Punkten deutet auf nennenswerten Verkaufsdruck insbesondere in einzelnen Schwergewichten hin, während andere Segmente des Index gefragt blieben.
Zu den klaren Wochengewinnern zählten Siemens Energy mit einem Plus von 6,64 % auf 168,92 €, gefolgt von Deutsche Bank mit 5,14 % auf 31,12 € sowie GEA Group mit 4,75 % auf 59,55 €. Auf der Verliererseite dominierten die Automobilwerte das Bild eindrücklich: BMW büßte 13,2 % auf 59,98 € ein, Volkswagen verlor 11,7 % auf 80,44 € und Mercedes-Benz Group gab 8,22 % auf 45,275 € nach. Ebenfalls stark unter Druck standen Deutsche Telekom mit minus 6,73 % auf 26,60 € sowie SAP mit minus 6,2 % auf 134,14 €, was zeigt, dass neben Automotive auch Technologie- und Kommunikationswerte erheblichen Gegenwind erfuhren.
Energieintensive Werte außer Automotive
Die klassisch energieintensiven DAX-Werte außerhalb der Automobilbranche schnitten in dieser Woche uneinheitlich ab. BASF gab um 1,08 % auf 49,005 € nach und zeigte damit eine schwächere Entwicklung als der Gesamtindex mit minus 0,33 %. Heidelberg Materials verlor 2,68 % auf 184,90 € und blieb damit ebenfalls deutlich hinter dem DAX zurück. Airbus hingegen legte 3,03 % auf 189,48 € zu und übertraf den Gesamtindex damit klar. In der Summe war die Gruppe gespalten: Während der Luftfahrtkonzern als Gewinner hervorstach, belasteten schwächere Rohstoff- und Chemiepreise die beiden anderen Vertreter spürbar.
Automobilwerte in dieser Woche
Im DAX40 stehen mit BMW, Mercedes-Benz Group, Volkswagen, Porsche Automobil Holding, Continental und Daimler Truck sechs Werte mit Bezug zur Automobilbranche. Die Woche war für den gesamten Sektor ausgesprochen belastend: BMW verlor 13,2 % auf 59,98 €, Volkswagen 11,7 % auf 80,44 € und Mercedes-Benz Group 8,22 % auf 45,275 €. Porsche Automobil Holding gab bei seiner letzten Notierung 3,00 % auf 30,68 € nach, Continental verlor 2,48 % auf 72,46 € und Daimler Truck büßte 3,56 % auf 41,45 € ein. Alle sechs Werte schlossen damit schwächer als der DAX-Gesamtindex, was auf einen sektorweiten Verkaufsdruck hindeutet – möglicherweise ausgelöst durch neue Sorgen rund um Absatzzahlen, Handelsbarrieren oder die anhaltende Transformation zur Elektromobilität.
Im größeren Bild bewegt sich der DAX weiterhin in einer labilen Phase: Der Index notiert knapp unter der runden Marke von 25.000 Punkten und hat nach dem Wochenverlauf keine klare Richtung signalisiert. Der Rückgang in einzelnen Schwergewichten wie BMW, Volkswagen und SAP lastet auf dem Index, während die relative Stärke in Finanz-, Energie- und Gesundheitswerten für eine gewisse Stabilisierung sorgt. Eine eindeutige Trendaussage lässt sich auf Basis der Wochendaten nicht ableiten; vielmehr befindet sich der DAX in einer Seitwärts- bis leicht korrigierenden Phase, in der die Marke von 25.000 Punkten als kurzfristige Orientierungsgröße gilt.
Die kommende Handelswoche
Im Fokus der kommenden Handelswoche stehen neben dem Tausch Porsche Holding SE – Hochtief erneut Konjunkturdaten diesseits und jenseits des Atlantiks. Marktbeobachter richten den Blick unter anderem auf aktuelle Einkaufsmanagerindizes aus Europa und den USA sowie mögliche Aussagen von Notenbankvertretern der EZB und der Federal Reserve, die Hinweise auf den weiteren Zinspfad liefern könnten. Zudem dürften Aussagen aus der Automobilindustrie zur aktuellen Nachfragesituation besondere Aufmerksamkeit erhalten, nachdem der Sektor in dieser Woche erhebliche Kursverluste verzeichnete. Anleger werden darüber hinaus verfolgen, ob sich die Erholungsbewegung bei Siemens Energy und den Finanzwerten verstetigen kann. An der Wall Street schloss die abgelaufene Handelswoche mit deutlichen Gewinnen: Der S&P 500 legte 1,21 % auf 7.500,58 Punkte zu, der Dow Jones stieg um 0,81 % auf 51.564,70 Punkte.