Aufwändige behördliche Verfahren sind nach einer neuen Studie ein Hauptgrund dafür, dass Einwanderer Deutschland wieder verlassen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat dieses Ergebnis am Donnerstag vorgestellt und zeigt damit ein erhebliches Problem bei der Integration von Fachkräften.
Nach familiären und partnerschaftlichen Gründen ist Bürokratie der zweithäufigste Grund für einen Wegzug. Eingewanderte kritisieren besonders häufig nicht ausreichend beantwortete Rückfragen, lange Verfahrensdauern, unklare Gebührenstrukturen und undurchsichtige Abläufe bei behördlichen Prozessen. Jüngere Einwanderer bewerten solche Verfahren dabei überproportional oft negativ.
IAB-Forscherin Julia Reinold äußert sich skeptisch, ob die aktuelle Bundesregierung in ihren Bestrebungen zum Bürokratieabbau auch die Probleme der Einwanderer berücksichtigt: „Wir können es hoffen“, sagte sie der dts Nachrichtenagentur. Wenn administrative Verfahren als langwierig, unverständlich oder schwer zugänglich empfunden werden, belasten sie die Bleibeperspektiven erheblich. Die Wissenschaftler fordern daher, Einwanderer „durch diesen Dschungel hindurchzuführen“. Dies sei notwendig, um Fachkräfte langfristig im Land zu halten und damit die Sozialsysteme zu sichern.
Die Studie zeigt auch Zielländer der Auswanderer: Der größte Anteil der Weitergewanderten zieht nach Spanien, gefolgt von der Schweiz sowie Italien und Kroatien. 60 Prozent kehren in ihr Herkunftsland zurück. Diejenigen, die auswandern, sind im Durchschnitt jünger, haben kürzer in Deutschland gelebt, verfügen häufiger über familiäre Bindungen im Ausland und sprechen seltener gut Deutsch. Ihre Bruttostundenlöhne liegen unter denen der Einwanderer, die bleiben.
Angesichts sinkender Zuzüge und gleichbleibender Fortzüge wird es arbeitsmarktpolitisch wichtiger, frühzeitig zu erkennen, wer über Auswanderung nachdenkt, um gezielt Bleibeperspektiven zu stärken. Während nur drei Prozent der in Deutschland lebenden Einwanderer konkrete Pläne für einen Umzug in den nächsten zwölf Monaten haben, haben sich in den vergangenen zwölf Monaten 30 Prozent bereits mit einer Ausreise auseinandergesetzt. Ein erheblicher Teil der Eingewanderten bleibt damit „mobilitätsorientiert“.
Für die Befragungsreihe „International Mobility Panel of Migrants in Germany (Impa)“ wurden zwischen Dezember 2024 und Februar 2026 rund 15.000 Personen befragt.
Autor: dts Nachrichtenagentur