Das Wetter in Thüringen: Gewitterpotenzial heute Abend – was Sie jetzt wissen müssen (17-Uhr-Update)

Stand 17:05 Uhr: Für die kommenden 6 bis 12 Stunden besteht in Thüringen ein moderates Gewitterrisiko (Instabilitäts-Index 5 von 10). Einzelne Gewitter sind bis in die späten Abendstunden hinein möglich, bevorzugt im Bergland – also im Thüringer Wald, im Schiefergebirge und entlang der Höhenlagen des Harzer Vorlandes. In den Niederungen bleibt das Risiko etwas geringer, ist aber nicht ausgeschlossen. Der Wind weht mäßig aus wechselnden Richtungen mit 18 km/h und erreicht in Böen bis zu 32 km/h – in direkter Gewitternähe können lokal auch stärkere Böen auftreten. Hagel ist bei diesem Setup weniger wahrscheinlich, aber nicht völlig auszuschließen. Die Niederschlagswahrscheinlichkeit liegt bei 33 Prozent, sodass ein erheblicher Teil Thüringens trocken bleiben wird. Wer aber heute Abend im Freien ist, sollte die Entwicklung aufmerksam im Blick behalten.

Der Grund für das moderate Risiko liegt in einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die allein harmlos wären, gemeinsam aber konvektive Aktivität – also aufsteigende, feuchte Luftmassen und damit Gewitterbildung – begünstigen. Der Instabilitäts-Index von 5 entspricht einem mittleren konvektiven Potenzial: Die Atmosphäre ist weder stabil noch hochgradig instabil, aber genug aufgeladen, um bei ausreichend Feuchte Gewitter auszulösen. Genau diese Feuchte ist vorhanden: Die relative Luftfeuchtigkeit liegt bei 78 Prozent, was deutlich über dem kritischen Schwellenwert von 70 Prozent liegt. Besonders aussagekräftig ist der sogenannte Taupunkt-Gradient – also der Unterschied zwischen Lufttemperatur und Taupunkt. Dieser Wert liegt heute bei nur 5,3 Grad Celsius, was bedeutet: Die Luft ist bereits nah an ihrer Sättigungsgrenze. Vereinfacht gesagt hat die Atmosphäre wenig Spielraum, bevor Wasserdampf kondensiert und Wolken sowie Schauer entstehen. Die Windscherung – gemeint ist die Veränderung der Windstärke und -richtung mit der Höhe – ist bei Böen von 32 km/h begrenzt. Rotierende Gewittersysteme (sogenannte Mesozyklonen) sind damit heute nicht zu erwarten. Kurzlebige Einzelgewitter mit lokal intensivem Regen sind aber das realistische Szenario.

In der Nacht auf Sonntag schwächt sich die Gewitterlage ab – ohne einen erneuten Energieeintrag aus der Sonne verliert die Atmosphäre ihr konvektives Antriebsmoment. Morgen, Sonntag den 2. August, ergibt sich dann ein völlig anderes Bild: Der Instabilitäts-Index fällt auf 0, die Luftfeuchtigkeit sinkt auf 50 Prozent, und der Taupunkt-Gradient steigt auf 9 Grad Celsius – die Luft ist also deutlich trockener und die Atmosphäre stabil geschichtet. Bei Temperaturen bis 28 Grad und kaum Schauer-Risiko (1 Prozent) wird Sonntag ein freundlicher, sommerlicher Tag ohne nennenswerte Gewittergefahr. Diese Stabilisierung setzt sich in den Folgetagen fort: Auch Montag und Dienstag bringen trockene, teils heiße Bedingungen mit einem Instabilitäts-Index von 0 beziehungsweise 3 – kein Anlass zur Sorge, aber bei steigenden Temperaturen bis 32 Grad am Montag sollte man die Entwicklung im Blick behalten.

Wer heute Abend draußen ist, sollte auf folgende Warnsignale achten: Eine plötzliche Abkühlung um mehrere Grad innerhalb kurzer Zeit, eine spürbare Zunahme der Böen sowie rasch aufziehende dunkle Wolken in westlicher bis südwestlicher Richtung sind klassische Vorboten eines herannahenden Gewitters. Bei Freizeitaktivitäten im Thüringer Wald oder auf Gewässern gilt: Suchen Sie bei ersten Anzeichen unverzüglich ein festes Gebäude auf. Überdachte Bushaltestellen, Zelte oder einzeln stehende Bäume bieten keinen Schutz. Autofahrer sollten bei Starkregen die Geschwindigkeit deutlich reduzieren und Unterführungen meiden, die schnell volllaufen können. Wassersportler auf Stauseen wie dem Bleilochtalsperre oder der Hohenwarte sollten das Ufer spätestens beim ersten Donner aufsuchen – Wasser leitet Strom, und der Abstand zwischen Blitz und Einschlag täuscht oft über die tatsächliche Gefahr hinweg.